Gestern Abend wurde meine liebe Frau von einem gesunden, Knaben glücklich entbunden" – mit dieser Geburtsanzeige, die der Vater in die Zeitung setzen ließ, war von ihm zum erstenmal öffentlich die Rede. Fast neunundzwanzig Jahre später brachten die Zeitungen, seinen polizeilichen Steckbrief:

"Alter 26 bis 28 Jahre, Größe 5 Fuß 6 Zoll, Haare blond, Stirn frei, Augenbrauen blond, Augen blau, Nase und Mund proportioniert, Bart rötlich, Kinn oval, Gesicht oval, Gesichtsfarbe gesund, Statur schlank. Besondere Kennzeichen: spricht sehr rasch und ist kurzsichtig."

Immerhin war der Flüchtige weitsichtig genug, seinen Verfolgern rechtzeitig zu entkommen. In der Annahme allerdings, sein Aufenthalt im Exil werde nur ein kurzes Provisorium sein, hatte er sich gründlich getäuscht; das Exil dauerte viereinhalb Jahrzehnte – bis zu seinem Tod. In Voraussagen für die Zukunft – und er hat sehr viel vorausgesagt – lag er eigentlich immer schief. Überhaupt hat er sich, da er nicht nur – wie es im Steckbrief hieß – schnell sprach, sondern nahezu ebenso schnell schrieb, sehr oft vertan. So zum Beispiel in seinem Urteil über das Volk der Bulgaren:

"Die Bulgaren haben sich selbst geschildert in ihren Volksliedern ... Da spielt das Feuer eine große Rolle. Ein Haus brennt, die junge Frau verbrennt, weil ihr Ehemann, statt ihrer, lieber seine schwarze Stute rettet. Ein andermal rettet eine junge Frau ihren Schmuck und läßt dafür ihr Kind verbrennen ... Wo in der Welt finden Sie ein solches Sauvolk wieder!"

Im Exil hat er nicht etwa Not gelitten. Er tat dort einfach das, was er ohne seine Flucht auch getan hätte: Er trat in den väterlichen Betrieb ein. Dabei kam es ihm in erster Linie darauf an, sich "vor zu großer Überbeschäftigung auf dem Kontor zu schützen", zugleich aber möglichst viel Geld zu bekommen, was ihm auch gelang. Voller Stolz meldete er schon nach kurzer Zeit seinem Freund, er habe mit seinem "Alten" ziemlich hohe "Repräsentations- und Tafelgelder" ausgemacht, und er meinte: "Mit einem solchen Salär geht die Sache schon, und wenn’s bis zur nächsten Bilanz ruhig bleibt und das hiesige Geschäft gutgeht, wird er

noch ganz anders bluten müssen ...". Er ließ ihn tatsächlich "bluten", indem er immer wieder "Reformen" seiner "personal expenses" durchzusetzen wußte. Nach nur drei Jahren konnte er seinem Freund mitteilen: "Im vorigen Jahr hab’ ich Gott sei Dank meinem Alten die Häfte seines Profits im hiesigen Geschäft aufgefressen."

Als er das schrieb, kämpfte er gerade wieder um eine weitere Erhöhung seiner Einnahmen, und für den ihm unzweifelhaften Fall eines Sieges stellte er in Aussicht: "... wird sich dann in feine lodgings gezogen, feine Zigarren und Weine angeschafft etc., damit wir imponieren können."