Seit gut einem Jahr vermissen englische Pop-Fans die munteren Sendungen von "Radio Caroline". Nun soll der "Piratensender" wieder aktiv werden, allerdings nicht im Hörfunk. Die Piraten wollen diesmal ihr Programm über die englischen Mattscheiben flimmern lassen.

Viereinhalb Jahre lang hatte der Ire Rohan O’Rahilly mit seiner Radiostation in der Nordsee viel Geld verdient. Pop-Musik und viel Werbung sendete "Radio Caroline". Die Londoner Regierung grub den Piraten schließlich das Wasser ab: Mit dem "Marine Broadcasting Offences Act" (1967). Nach diesem Gesetz wird bestraft, wer mit einer illegalen Radiostation Handel (auch Werbung) treibt.

Das Gesetz hatte die gewünschte Wirkung. "Caroline" verstummte und die staatliche BBC übernahm die im ganzen Land beliebten Disc-Jockeys des Piratensenders.

Doch Rohan O’Rahilly denkt nicht ans Aufgeben. Zeit und Geld nützte er für neue Pläne. Im Sohn des schottischen Bankiers George Drumond fand er einen steinreichen Freund. Beide wollen nun ins Fernsehgeschäft einsteigen.

Die Absichten der Luft-Piraten waren noch gar nicht publik, als Britanniens postmaster-general bereits warnte: "Illegal ist es, wenn man eine private TV-Station unterstützt, indem man ihr Material verkauft oder deren Sendezeit mietet, auch wenn dieses Studio nicht mehr im Wasser, sondern in der Luft operiert."

Nach dieser frühen Warnung wurden die Pläne des unternehmungslustigen Rohan O’Rahilly bekannt: Er und seine Freunde, der auf den Bahamas lebende Schotte Drumond sowie "ungenannt sein wollende Amerikaner und Schweizer Interessenten" hätten bereits zwei Flugzeuge in der Größenordnung der Super-Constellation, gekauft. Sie sollen ab 1970 vom Kontinent aus operieren und können im Extremfall je 18 Stunden über der Nordsee kreisen, um aus 6000 Meter Höhe zwei Drittel der britischen Insel von abends 6 bis morgens 2 Uhr mit Pop, Film und Werbung zu berieseln.

Die britischen Behörden sind sich noch nicht klar darüber, wie sie gegen die Flugzeug-Fernsehstation vorgehen wollen. Rohan O’Rahilly ist ihnen im Augenblick noch dankbar: Mit der offiziellen Warnung wurde die technische Realisierbarkeit der Flugzeug-TV-Pläne offiziell bestätigt. Das wirkte als Werbung für "TV-Caroline". fw