Von René Drommert

Der Titel des Buches ist komplementär gemeint. Vor fünf Jahren kam, auch deutsch, Alexander Werths Buch "Rußland im Krieg, 1941–1945" heraus. Nun liegt vor:

Alexander Werth: "Rußland im Frieden. Hoffnung und Angst"; aus dem Englischen übersetzt von Günter Eichel; Verlag Droemer Knaur, München/Zürich 1969; 416 S., 26,– DM

Aber während der Vorgänger, ins Russische übersetzt und (nach. Werths eigenen Angaben) nur geringfügig modifiziert, in der Sowjetunion veröffentlicht wurde, hat das Friedensbuch, scheint mir, vorerst gar keine Chance, im Lande, wo es "spielt", auch gedruckt zu werden. Dabei hatte Werth, der im März dieses Jahres in Paris im Alter von 68 Jahren starb, nicht etwa inzwischen gesinnungsmäßig eine Schwenkung um 180 Grad vorgenommen, keineswegs, auf Schritt und Tritt zeigt sich die behutsam gebremste Bewunderung für die Sowjetunion und ihre rapide Entwicklung in den letzten 24 Jahren.

Werth, Sohn eines Russen und einer Engländerin, 1901 im zaristischen St. Petersburg geboren, war ja schon immer so sehr für das Land seiner Väter eingenommen, daß Boris Pasternak ihm 1945 auf seiner Datscha in Peredelkino (bei Moskau), als er dem Wähl-Engländer eines seiner Gedichtbücher schenkte, die – gewiß doppeldeutige, etwas ironische, vielleicht auch ein wenig die Umkehrung seiner selbst signalisierende – Widmung hineinschrieb: "Meinem lieben Alexander Werth, dem wortgewaltigen sowjetischen Agitator, mit besten Wünschen ..."

Alexander Werth ist in erster Linie pro-russisch, was vor allem pro-leningradisch oder propetersburgisch heißt, er ist vernarrt in diese Stadt, die er mit seinem Vater 1918, also im Alter von siebzehn Jahren, verlassen und die er mehr als einmal wiedergesehen hat.

Der Verfasser, der als einziger westlicher Berichterstatter, für die Londoner Sunday Times und die BBC den Krieg 1941 – 1945 in Rußland mitmachte, ist in zweiter Linie pro-sowjetisch. Das wird zum Beispiel dort besonders deutlich, wo er seine Sympathie gegen die Einstellung zu anderen Nationen abgrenzt, vor allem zu den Deutschen, die er ganz und gar nicht leiden kann.