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Im September 1969 kam es bei den Kursen marktgängiger deutscher Standardaktien zu folgenden Veränderungen (in Prozent):

Zellwald + 19,6

Schultheiss + 17,4 VEW – 2,2

Hamborn + 11,8 Hoechst – 2,7

Audi-NSU + 11,2 Bayer – 2,8

Kaufhof + 7,8 Lufthansa – 3,1

Commerzbank + 6,9 AEG – 3,2

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Linde + 4,9 Siemens – 3,7

GHH + 4,6 Rheinstahl – 4,8

Thyssen + 4,5 Veba – 4,8

Karstadt + 4,2 VW – 5,3

Deutsche Bank + 3,6 Harpener – 5,6

Schering + 1,6 Klöckner – 5,8

BMW + 0,9 Mannesmann – 6,0

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Dresdner Bank + 0,4 BASF – 6,3

HEW – 0,8 RWE Stämme – 7,2

Preussag – 1,3 Daimler – 7,3

Wintershall – 1,8 Hoesch – 9,2

Demag – 1,9 Gelsenberg –12,7

Mit einem Kursgewinn von knapp 20 Prozent ist die Aktie der Zellstofffabrik Waldhof "Sieger des Monats September". Seit sich Hermann D. Krages Mitte Juli als Mehrheitsaktionär präsentierte, steht diese Aktie im Mittelpunkt des Interesses. Es wurde vermutet, daß die Deutsche Bank versuchen würde, eine 25prozentige Schachtelbeteiligung zusammenzukaufen, um ein Gegengewicht zum Krages-Paket zu schaffen. Aufkäufe wurden an der Börse beiden Seiten zugeschrieben. Vor kurzem wurde nun bekannt, daß sich eine großzügige Lösung anzubahnen scheint: Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank ist an der Übernahme des Krages-Paketes interessiert und, da sie an der Aschaffenburger Zellstoffwerke AG mit mehr als 25 Prozent beteiligt ist, könnten auf diese Art und Weise die lang gehegten Fusionspläne verwirklicht werden. (Siehe ZEIT Nr. 40: Zur Spekulation verdammt – Zellwald-Aktionäre.)

Wie schon in den letzten Monaten, so lag auch im September die Schultheiss-Aktie in der Spitzenposition der Rangskala. Inzwischen ist das Rätsel über die Kurssteigerungen bei diesem Papier gelöst. Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank hat sehr geschickt eine Schachtelbeteiligung an der Berliner Brauerei erworben. Siehe Seite 28 "Bayern in Berlin"). Vorher waren Unilever, Reemtsma, schwedische Brauereien verdächtigt worden, Schultheiss-Aktien aufzukaufen.

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Als Dritter ging Hamborn mit einem Plus von 11,8 Prozent durchs Ziel. Die Harpener-Aktie hat seit langem eine steile Kursentwicklung aufzuweisen, jetzt wurde von den Anlegern die Hamborn-Aktie entdeckt. Neben dem bedeutenden, sehr niedrig bewerteten Grundbesitz sowie der 50prozentigen Beteiligung an Friedrich Thyssen Bergbau AG dürfte die Gesellschaft durch die zukünftigen guten Ertragsaussichten interessant sein.

Auch bei Audi/NSU-Aktien, die mit einem Kursgewinn von 11,2 Prozent auf dem 4. Platz rangieren, dürfte neben der guten Geschäftsentwicklung die Vermutung auf Aufkäufe eine wesentliche Rolle spielen. Neben dem Großaktionär Volkswagenwerk werden Zukäufe auch der Israel British Bank, Tel Aviv, zugeschrieben, die seinerzeit mit ihrer Beteiligung von 11 Prozent auf der außerordentlichen Hauptversammlung eine Rolle spielte. Auch hier könnte es zu einer gewissen Konkurrenz kommen.

Das Schlußlicht bildet die Gelsenberg-Aktie mit einem Verlust von 12,7 Prozent. Das war nach dem Umsturz in Libyen zu erwarten. Wenn die neue Regierung auch sofort versicherte, daß eine Verstaatlichung der Ölquellen nicht beabsichtigt sei, so besteht doch für Gelsenberg nach dem Umsturz eine unverkennbare Gefahr, die Ölquellen zu verlieren. Das mußte in einem Kursabschlag seine Reaktion finden. Abgesehen von dem "Gespenst der Sozialisierung" würde schon eine Verteuerung der Ölbezüge aus Libyen die Gewinnchancen in Zukunft mindern.