Für die meisten Minister der CDU/CSU hat der Regierungswechsel in Bonn noch andere Schattenseiten als den Machtverlust. Wenn Bundespräsident Heinemann ihnen die Entlassungsurkunden überreicht, verlieren sie mit ihrem Portefeuille auch das bisher gewohnte Geld im Portemonnaie. Der Grund: Ihr Dienst für Staat und Volk war entweder zu kurz, oder sie sind noch zu jung.

Zwar dürfen sie den Staat noch einmal für ein Übergangsgeld zur Kasse bitten, Anspruch auf eine lebenslange Rente aber haben nur drei erdient. Denn Minister erhalten grundsätzlich erst Pension, wenn sie mindestens 55 Jahre alt sind. Weitere Bedingung: Sie müssen 4 Jahre im Amt sein.

Eine Hintertür hat man für diejenigen gelassen, die in Bonn zwar nicht eine volle Legislaturperiode in Amt und Würden waren, aber sich in Ländern und Gemeinden um das öffentliche Wohl bemüht haben. Wer mindestens ein Jahr als Minister amtierte und insgesamt zehn Jahre im öffentlichen Dienst gestanden hat, erhält auch eine Pension – wenn er schon 55 ist.

Da das Gesetz analog auf den Kanzler angewandt wird, kommt Kiesinger auf diesem Umweg auch zu einem Ruhestandsgeld. Er hat zwar nur drei Jahre Kanzlertätigkeit aufzuweisen, mit seiner Zeit als Stuttgarter Landesfürst bringt er es aber auf die erforderlichen zehn Jahre in Staatsdiensten. Kiesinger wird für seine administrative Tätigkeit in Bund und Land etwa 3900 Mark monatlich beziehen.

Damit kommt er bei weitem nicht an Schröder heran, der in Zukunft 5 505,80 Mark Ministerpension einstreichen kann. Schröder, der bislang dienstälteste Minister der Bundesrepublik, erhält als Pension 75 Prozent seines letzten Gehaltes (7 341,07 Mark) und damit den Höchstsatz. Sein Kollege Höcherl muß sich dagegen mit rund 3800 Mark zufrieden geben. Alle übrigen Minister der CDU/CSU gehen leer aus.

Welche Minister der SPD aus dem Amt scheiden werden, ist noch nicht zu übersehen. Wahrscheinlich wird Herbert Wehner das Amt des Fraktionsvorsitzenden übernehmen. Auch er erhielte keine Pension, da er nicht lange genug Minister war. Eine eigens auf ihn zugeschnittene "Lex Wehner", die ihm einen Pensionsanspruch sichern sollte, wurde dann wegen der schlechten Optik doch nicht vom Parlament verabschiedet. Die Fraktionsvorsitzenden sollen nach den Plänen der SPD und FDP aber in Zukunft die dreifachen Bezüge eines gewöhnlichen Abgeordneten erhalten und damit finanziell dem Bundestagspräsidenten gleichgestellt werden.

Was den Bonner Ministern droht, kann einen weiteren vom Abstieg durch anderer Aufstieg gefährdeten Kreis nicht allzusehr treffen: die politischen Beamten der Bonner Ministerialbürokratie. Zwar kennt die Bundesrepublik, kein so umfassendes Revirement wie etwa bei einem Regierungswechsel in den Vereinigten, Staaten. Doch müssen immerhin 16 von 27 Staatssekretären mit ihrem Abschied rechnen, jene nämlich, deren Chef ein CDU-Minister war oder die gar selbst der Union angehören.