Deutsche Unternehmen, die sich hauptamtlich mit Erdöl beschäftigen, haben bislang ihren Aktionären mehr Sorge als Freude gebracht. Das liegt in der Natur der Sache. Die Deutschen müssen in der Bundesrepublik gegen große Ölkonzerne aus aller Welt antreten; die deutschen Unternehmen haben keine – oder nur sehr junge – Ölhesen im Ausland, und sie sind auf den deutschen Markt angewiesen, wo seit Jahren ein ruinöser Preiskampf herrscht.

Sieht man einmal von der Preussag und von Wintershall ab, die beide zwar ein starkes ölbein besitzen, aber auch sonst noch florierende Sparten im Konzern haben, dann gibt es an der deutschen Börse noch drei Ölwerte: Deutsche Erdöl-AG (DEA), Erdölwerke Frisia AG und Gelsenberg AG.

Die DEA-Aktie erlebte in den letzten Wochen einen spekulativen Aufschwung von 203 auf knapp 260 Mark. Freie Aktionäre halten nur noch 2,1 Prozent des Grundkapitals von 360 Millionen Mark. Den freien Aktionären ist eine Mindestdividende von 6 Prozent garantiert.

Ohne Zweifel ist die DEA-Situation entscheidend durch den Eintritt der Texaco-Gruppe in das Unternehmen verbessert worden. Sowohl der Mineralölbereich als auch der Chemiesektor wird ausgebaut. Kohle, ein ständiges DEA-Sorgenkind, tritt immer mehr in den Hintergrund. Damit ist der Anstieg der DEA-Aktie um rund 20 Prozent jedoch nicht zu erklären. Man spekuliert vielmehr auf ein neues Abfindungsangebot.

Sicherlich wäre Texaco froh, wenn die letzten freien DEA-Aktionäre kapitulieren würden, aber ein Abfindungsangebot, das besser sein würde, als man es 1966 der Masse der DEA-Aktionäre offeriert hat, dürfte zur Zeit noch unwahrscheinlich sein. Bleibt der Texaco nur der andere Weg: Über hohe Kurse die DEA-Aktionäre zum Abstoßen ihrer Papiere zu bringen.

Auf Grund solcher Überlegungen bleibt die DEA-Aktie ein heißes Spekulationspapier. Und je enger der Markt wird, desto heftiger werden die Kursausschläge sein.

Abwärts ging es in den letzten Tagen mit der Frisia-Aktie. Im Frühjahr lag der Kurs noch bei 146 Prozent, inzwischen liegt er unter 90. Fast ein Drittel des Wertes ist seither verlorengegangen. Was ist geschehen? Im Grunde nichts Gravierendes. Nur die Hoffnung ist geschwunden, daß einer der Großen des Edölgeschäfts sich der chronisch kranken Frisia annehmen und dann eines Tages die freien Frisia-Aktionäre hoch abfinden wird.