Das Trauerspiel um den Wechselkurs der Mark wird sich in der Schweiz nicht wiederholen. Die Schweizer Notenbank ist fest entschlossen, jede Spekulation gegen den Franken im Keime zu ersticken. Dafür hat sie sich ein Instrumentarium geschaffen, das zwar von einem Bankier als barbarisch bezeichnet wurde, das aber ohne Zweifel wirksam ist.

Einmal wurde eine rigorose Kreditbeschränkung eingeführt. Keine Bank darf die Gesamtsumme der Kredite um mehr als neun Prozent ausweiten. Zum Zweiten werden aus dem Ausland hereinströmende Gelder sofort und rigoros zu 60 bis 80 Prozent eingefroren, je nach der Einlageart.

Schließlich aber hat die Notenbank noch den giftigen Pfeil des Negativ-Zinses im Köcher, sollten die übrigen Abwehrmaßnahmen nicht ausreichen. Bis zu einem halben Prozent täglich sollen die Banken notfalls fremde Gelder mit Depotgebühren belegen. Mit anderen Worten, selbst wenn eine Aufwertung des Schweizer Franken um zehn Prozent im Gespräch wäre, könnte die Notenbank innerhalb von 20 Tagen den gesamten erwarteten Aufwertungsgewinn "wegsteuern".

So ist es nicht verwunderlich, daß die Schweiz bisher von Devisenzuflüssen à la Bundesrepublik verschont geblieben ist, obwohl gelegentlich neben dem österreichischen Schilling, dem holländischen Gulden und dem belgischen Franc auch der Schweizer Franken als aufwertungsverdächtig genannt wurde. Zumindest zeigt das Schweizer Beispiel, daß Handeln in jedem Fall besser ist als das ständige Reden um einen neuen Wechselkurs für diese oder jene Währung. mh