3. In der Türkei, wo sich Deutschland durch Militär- und Finanzhilfe einen beherrschenden Einfluß zu verschaffen suchte, mußte es 1913/14 mangels Kapitals in die Rolle eines Juniorpartners Großbritanniens einwilligen. Klagte der Kaiser: "Da wir kein Geld haben. Sie sind nicht an der Starige mehr!"

4. Die deutschen Bemühungen, den belgischen Kongo, "das reichste Stück des mittleren Afrika", zu erwerben und darüber hinaus von dem verschuldeten Portugal die Kolonie Angola, waren gescheitert, weil England nicht in eine Änderung des mittelafrikanischen Status quo einwilligen wollte.

5. Auf dem Balkan, der für Deutschland als Durchgangsland zum Orient und als wirtschaftliches Betätigungsfeld wichtig war, begann sich eine neue politische Konstellation unter dem Patronat der Russen und Franzosen abzuzeichnen.

6. Die deutsche Wirtschaft litt im letzten Friedensjahr unter einer Rezession, die freilich auch in anderen europäischen Ländern auftrat. Mit Rußland geriet das Reich in schwere handelspolitische Auseinandersetzungen.

Aus all dem folgert Fischer Motive für den deutschen Angriffskrieg. Was er freilich über die wirtschaftlichen und finanziellen Kriegsvorbereitungen anführt, ist sehr enttäuschend. Die Erörterungen der Berliner Ämter gingen nicht über die übliche Vorsorge für den Eventualfall hinaus.

Fischer hat ein bemerkenswertes Geschick, sich immer wieder selbst zu widerlegen. So zitiert er für 1913 einen Brief Bethmann Hollwegs: "Hoffentlich glückt es, die Aufwerfung der kleinasiatischen Frage jetzt noch hinauszuschieben. Aber kommen wird sie und wahrscheinlich früher, als uns lieb ist. Lösen können wir sie dann in einer für uns erträglichen Weise nur mit England." Was nichts anderes heißt als – Lösung ohne Krieg.

Der Mord von Sarajevo leitete zunächst nichts anderes ein als eine der vielen Balkankrisen, die seit 1909 die Gefahr eines Krieges zwischen Dreibund und Triple-Entente heraufbeschworen hatten. Auch der "Blankoscheck", den Berlin den Österreichern für ihren Strafkrieg gegen Serbien ausstellte, unterschied sich in nichts von früheren Zusagen des Kaisers, der Reichsleitung und des Generalstabs. Allerdings könnten alle von Fischer genannten Faktoren der Reichsleitung den Entschluß zum äußersten Risiko erleichtert haben.