Diese verschiedenen Interpretationen der deutschen Politik im Juli 1914 schränken den Aussagewert der Fischerschen These erheblich ein. Aber seine Bestandsaufnahme des Bündnisses von Macht und Kapital war nicht umsonst getan, wird doch die historische Forschung abermals gezwungen, anders als in den gewohnten Bahnen zu denken. die unbequeme Herausforderung aus Hamburg anzunehmen und dem näherzukommen, was sich immer wieder dem Zugriff der Wissenschaft entziehen will: der historischen Wahrheit.

Fischer steht unter seinen Kollegen auf einsamem Posten. Er ist ein Historiker, der sich keiner Machtideologie verpflichtet weiß. Macht scheint ihm zutiefst suspekt, suspekt wie alles, was deutsche Politiker, Militärs, Industrielle und Bankiers in den Jahren vor 1914 und danach maßlos und bedenkenlos erstrebt haben. Die geistigen Wurzeln des nationalsozialistischen Abenteuers reichen weit zurück. Fischer hat in seinem neuen Buch Wurzelwerk bloßgelegt. Wer die Geschichte dieses Jahrhunderts begreifen will, kommt nicht um Fischer herum, was immer man gegen seine Methode sagen mag. So wird denn Hallgarten mit seiner Prophezeiung recht behalten: "Wohl die meisten heute lebenden Historiker werden in hundert Jahren vergessen sein. Allein der Name Fritz Fischers wird sich kaum unter den Vergessenen befinden."