Die Aktionäre waren diesmal nicht zur. Rolle der stummen Kopfnicker und Händchenheber verurteilt – sie entschieden eine Schlacht. Und diese Schlacht hat Robert Maxwell verloren. Der Labour-Abgeordnete, der in 20 Jahren vom tschechischen Immigranten zum Chef des Pergamon-Verlags (ein Riesenkonzern auf dem englischen Markt für Sachbücher) aufstieg, wurde um sein Imperium gebracht.

Robert Maxwell wurde von seinem Posten als Pergamon-Vorsitzender einfach abgewählt – mit ihm seine sämtlichen Direktoren. Der junge Amerikaner Saul Steinberg, Chef der Leasco-Computerfirma, übernimmt Maxwells Rolle auf dem britischen Büchermarkt.

Die Schlacht war lang und erbittert. Im Sommer sah es noch so aus, als ob Steinberg Pergamon Press in Übereinstimmung mit Maxwell aufkaufen wollte. Plötzlich jedoch zog er sein Angebot zurück, weil er die Gewinnchancen von Maxwells Firma niedriger einschätzte als zuvor.

Der Börsenhandel mit Pergamon-Aktien blieb danach bis heute suspendiert, doch mit Hilfe des "City-Ausschusses für Übernahmefragen" kam schließlich ein Kompromiß zustande: Leasco sollte die freien Aktionäre je nach den Pergamon-Profiten der Jahre 1968 und 1969 entschädigen. Maxwell selbst sollte für seine Majorität jedoch weitaus weniger erhalten.

Auch diese Abmachung hatte keinen Bestand. Das Vertrauen war verflogen, die Fronten abgesteckt. Schließlich sollten die Kleinaktionäre entscheiden, ob der Amerikaner Steinberg mit 38 oder Maxwell mit 26 Prozent der Aktien die Gesellschaft weiterführt

Der Amerikaner war erfolgreicher im Buhlen um die Gunst der institutionellen Anleger, und von nun an führt er die Firma – auch wenn es seltsam scheinen mag, daß er damit selbst über den für die ausstehenden Aktien zu bezahlenden Preis bestimmen kann. Der Preis richtet sich noch immer nach den zu erwirtschaftenden Gewinnen.

Robert Maxwell jedoch gibt nicht auf. Für ihn ist erst eine Schlacht, noch nicht der Krieg um Pergamon verloren. Bevor er nach der mehrstündigen und hitzigen Hauptversammlung in den Urlaub fuhr, ließ er eine neue Bombe platzen: Er offeriere allen Pergamon-Teilhabern, außer Leasco natürlich, 25 Shilling – den Durchschnittswert der Aktie von Januar bis Juni – bar in die Hand. Notfalls will Maxwell selbst fünf Millionen Pfund auf den Tisch legen, am wieder Herr im einstmals eigenen Hause zu werden.

fw