Der Wirtschaftsminister wird den Strukturwandel der deutschen Industrie nur mit Preissteigerungen erkaufen können

Wer glaubt, nach Schillers. Sieg mit der Aufwertung würden nun Zeiten strikter Preisstabilität anbrechen, der irrt.

Schiller und sein brain trust geschulter Ökonomen sind sich – mit der Bundesbank – im klaren darüber, daß all jene Preissteigerungen, die in der Spätphase des Booms entstehen, nicht mehr aufzuhalten, sondern allenfalls graduell zu bremsen sind.

Und spätestens mit der Neufestlegung der Marktparität wird der Wirtschaftsminister seine stabilitätspolitischen Übungen abbrechen und sich seiner Lieblingsvorstellung widmen, dem "Wachstum nach Maß".

In Anlehnung an ein geflügeltes Wort des britischen Ökonomen James Meade scheint des Professors Devise nun wieder zu sein: "Wachstum soviel wie möglich und Preisstabilität soviel wie nötig." Für ihn ist die Aufwertung, die unter anderem doch auch die Preise in der Bundesrepublik stabil halten sollte, kein Widerspruch, zu seinem Wunschkonzept.

Überspitzt kann man es sogar folgendermaßen formulieren: Je höher der endgültige Aufwertungssatz ausfallen wird, um so eher wird Schiller in der Lage sein, auf den mittelfristigen Wachstumspfad der Wirtschaft loszusteuern und dabei noch ein Feuerwerk strukturpolitischer Experimente abzuschließen.

Das mag paradox klingen, aber es stimmt. Denn auch imWirtschaftsministerium redet man nicht einer zügellosen Konjunktur das Wort, die, sich selbst überlassen, dem "freien Spiel" der Erhardschen Ära gleichkäme. Karl Schiller und seine Berater legen auf eine Gestaltung der Konjunktur größten Wert. –