Aus unserem Freundeskreise kannte Ernst Ton Salomon ihn am längsten. Er war mit Hanns Hubertus Graf Merveldt im Kadettenkorps gewesen. Ihr "Jahrgang" 1901 ist dann am Ende des Ersten Weltkriegs zwar noch Fähnrich, aber nicht mehr Offizier geworden. Merveldt bedauerte das nicht. Er dachte nur im Zorn an seine Kadettenzeit zurück. Er war zum Soldaten nicht geschaffen, sondern als Kind in die Uniform gesteckt worden, weil er ungebärdig war. Er blieb es sein Leben lang.

Die Merveldts – mit Galens, Droste-Hülshoffs, Croys verwandt – gehören zu den ältesten Adelsgeschlechtern Westfalens. Hanns Hubertus verstieß gegen die Tradition, als er, weil ihm das Studium der Malerei verwehrt wurde, in die Anstreicherlehre ging. Daß er ein gelernter Handwerker war, ehe er die Kunstakademie Karlsruhe besuchte, darauf war er immer stolz. Er glaubte auch, daß seine oft gerühmte Meisterschaft der malerischen und zeichnerischen Technik auf seine Freude an handwerklicher Sorgfalt zurückgehe, die ihm sein alter Anstreichermeister beigebracht hatte.

Wenn er von seinen Vorfahren sprach, fiel diesem Grafen Merveldt und Freiherrn von Lenabeck ein, daß im "Merfelder Bruch" die Wildpferde des Herzogs Croy aufwachsen. Merveldt blieb ungezähmt, und davon werden seine Freunde noch lange packende Anekdoten erzählen. Dies hindert nicht, daß sie ihn durchaus als Aristokraten im Gedächtnis behalten, soweit Hilfsbereitschaft, Tapferkeit, Großzügigkeit und die Unmöglichkeit, anders als nobel, vornehm, anständig zu handeln, aristokratische Eigenschaften sind.

Daß er (1932) den Rompreis erhalten hatte, die höchste Auszeichnung für einen jungen Maler, schützte ihn nicht davor, daß im "Dritten Reich" seine Bilder aus den Museen als "entartet" entfernt wurden. Er stand Carl Hofer künstlerisch und menschlich nahe: Diesem von ihm verehrten Meister war es nicht anders ergangen.

Übrigens teilte Merveldt das Schicksal eines van Gogh oder Cézanne nicht, aber sicher ist, daß seine Kunst nicht so, wie sie es verdient hätte, ins allgemeine Bewußtsein gedrungen ist. Merveldts Bilder hängen bei Kennern, unter denen einige geradezu Merveldt-Spezialisten sind. Seine Geltung wird mehr und mehr steigen.

Hanns Hubertus starb am 6. Oktober in Hamburg, während ich seinen und Eka Merveldts Besuch in Paris erwartete, wo er lange Jahre gelebt und gearbeitet hatte, in einem Atelier neben dem Légers. Jetzt las ihm ein Merveldt das Seelenamt in der Hamburger Elisabeth-Kirche. Dann holten die Merveldts ihn heim nach Westfalen. Josef Müller-Marein