Von Rolf Diekhof

Die Chefs der DER-Reisebüros in den Warenhäusern der Kaufhof AG bekamen am 12. August schwarz auf weiß in die Hand, was ihnen bisher nur als Gerücht zu Ohren gekommen war. Die Zentrale der Deutschen-Reisebüro-Organisation (DER) schrieb aus Frankfurt, sie müßten damit rechnen, daß ihnen der Kaufhof bis Ende 1970 kündigen würde.

Fast gleichzeitig kündigte der Kaufhof-Vorstand zum erstenmal an, man werde "durch qualitativ und preislich außergewöhnliche Reisen" in das Geschäft mit Fernweh und Urlaubsglück einsteigen. Im übrigen: "Sendepause – einfach deshalb, weil es eine große Sache ist."

Doch die Vorbereitung der "großen: Sache" schlägt heute schon hohe Wellen in der Touristikbranche – es wird mal wieder gekündigt. Fachleute der obersten Ränge und bei den etabliertesten Firmen werden plötzlich mobil. Das liegt gewißt nicht allein am Kaufhof – das Geschäft mit der Reiselust ist in letzter Zeit für eine ganze Reihe von "Outsidern" interessant geworden – es ist vielmehr ein Zeichen dafür, daß sich in der Branche wieder einmal etwas tut.

Horst von Xylander, Direktor bei Europas größtem Reisekonzern "Touristik Union International", TUI (einen Zusammenschluß von Touropa, Scharnow, Hummel und Tigges), nennt es "ein Spezifikum der Branche": "Die Fachleute können sie mit der Lupe suchen." Fachleute aber sind unentbehrlich, wenn man es in der Branche zu etwas bringen will – genauer gesagt, wenn man Profit machen will.

Wo es gute Leute gewissermaßen mit Qualitätszertifikate gibt, findet jeder Interessent auch ohne Lupe schnell heraus: bei TUI und Neckermann-Reisen. Es sind die größten und vor allem auch die erfolgreichsten Unternehmen im Reisegeschäft.

Der Versandhändler Neckermann hat es in den letzten Jahren als einziger Außenseiter geschafft, sich auf dem bundesdeutschen Reisemarkt wirklich zu etablieren. Sein Kollege Konsul Schickedanz (Quelle-Versand) war längst nicht so erfolgreich. Konzequenz: Quelle-Reisefachleute sind so gut wie nicht gefragt.