Sehr sehenswert:

"Das Doppelleben der Sister George", von Robert Aldrich. "Jerry, der Herzpatient", von George Marshall. "Das Schloß im Spinnwebwald" (1957), von Akira Kurosawa.

Repertoire: Filme von Ingmar Bergman. Auf das Unverständnis (bis 1959 und "Abend der Gaukler") und die Idolatrie (bis 1964 und "Das Schweigen") ist beim anspruchsvollen deutschen Publikum die Gleichgültigkeit gefolgt. Bergman ist kein Thema mehr. "Persona", "Die Stunde des Wolfs" und "Die Schande" bieten keinen Stoff mehr für metaphysische Diskussionen. Um so mehr wären sie geeignet, Aufmerksamkeit für den Film- (und Theater-)Mann Bergman zu wecken. "Nach der Schweigen-Trilogie war ich fertig mit dem ganzen religiösen Überbau... (Da) verlor ich auch meine Hemmungen beim Schreiben. Ich verlor meine Angst, nicht mehr up to date und modern zu sein..." Verehrer und Verächter Bergmans wollen in seinen Filmen nur Vehikel abendländischer Literaturthemen sehen. Aber seine Filme waren niemals als elitäres Kunstkino gemeint, sondern als Gebrauchskino, ein Kino, das sich nicht zum Zuschauer herabläßt, sondern ihn ernst nimmt auch in seiner Konsumfreude – wie die Filme Buñuels oder Hitchcocks und die alten Wildwest- und Horrorfilme. Wie sie, sind sie als Serie konzipiert, nicht als "Werke", und immer schon hat Bergman die Kulturstereotypen benutzt, um als Autor hinter ihnen zu verschwinden: "Ich möchte einer der Künstler sein, der an der Kathedrale baut..." Oft hat er seine Autorschaft abgetreten an Mythen, Sagen, populäre Erzählungen. – Die folgenden Filme stünden für eine neuerliche Beschäftigung mit Bergman zur Verfügung: "Durst" (1949), "Einen Sommer lang" (1950), "Sehnsucht der Frauen" (1952), "Abend der Gaukler" (1953), "Die Zeit mit Monika" (1953), "Lektion in Liebe" (1954), "Das Lächeln einer Sommernacht" (1955), "Das siebente Siegel" (1956), "Wilde Erdbeeren" (1957, nur als Schmalfilm), Die Jungfrauenquelle" (1959), "Das Teufelsauge" (1960), "Wie in einem Spiegel" (1960, nur als Schmalfilm), "Licht im Winter" (1961, nur als Schmalfilm), "Das Schweigen" (1963), "Persona" (1966), "Die Stunde des Wolfes" (1967), "Die Schande" (1968).

Im Fernsehen: "Die süße Haut" (1964), von François Truffaut, BR III am 18. Oktober. "Ten Years After", von Matthias Weiss, BR III am 19. Oktober.

Sehenswert:

"Bessessen", von Pim de la Parra. "Isadora", von Karel Reisz. "Das Fotomodell", von Jacques Demy. "Die Hölle sind wir", von John Boorman. "Ausbruch der Verdammten", von Buzz Kulik.

Im Fernsehen: "Frühe Werke", von Zelimir Zilnik. Der jugoslawische Film erhielt in Berlin den "Goldenen Bären" für "die herausfordernde Schärfe in der Gegenüberstellung von Ideologie und Wirklichkeit und die Verve, mit der der Regisseur einer politischen Abstraktion Leben verleiht, wobei er es verstanden hat, in Form und Inhalt gleichermaßen modern zu sein." Er bietet revolutionäres Engagement und filmische Modernität, wie sie auch die Verächter von Mao, Castro und Godard sich gefallen lassen. Der Titel meint die Marxschen Frühschriften. Als ein kommunistischer Film gegen den etablierten Kommunismus möchte er verstanden werden, als Klage über Dummheit, Lüge und Selbstsucht, die unterm Sozialismus fortexistieren. Mit einem Satz von St. Just schließt der Film: "Wer die Revolution nur halb durchführt, schaufelt sein eigenes Grab." Aber gerade dieses Spiel mit Sentenzen bestätigt nur das Vorurteil der Einverstandenen, inspiriert nicht Gedanken und Wahrnehmungen. Das Bild verdoppelt nur das Gesagte. Ein Titel zitiert: "Die Revolutionäre sind die Lokomotiven der Geschichte." Dazu sieht man die Helden, fahnenschwenkend, auf einer Lokomotive. Am Ende schaut als Moral heraus, daß Ideal und Wirklichkeit halt selten zur Deckung gelangen. ARD am 20. Oktober.