Von Wolf Donner

Sechs Tage lang sitzt man in drei Mannheimer Kinos und schaut Filme an, von zehn Uhr morgens bis nach Mitternacht, über dreihundert Filme insgesamt zwischen acht Minuten und zweieinhalb Stunden. Danach wird jede Nacht diskutiert, bis drei oder vier Uhr morgens. Kein Wunder, daß man langsam müde wird, daß die Maßstäbe verschwimmen. Was bleibt, sind ein paar Eindrücke, Erinnerungen, die allgemeine Trends im jungen Film deutlich machen:

1. Mannheim ist zum bedeutendsten internationalen Forum einer Gruppe junger deutscher Regisseure geworden, die man unter den Begriffen Unabhängige Filmemacher, Das andere Kino, Untergrund- oder Experimentalfilm nennt.

2. Diese jungen Filmemacher haben in den letzten Jahren ein (stark von der parallelen Bewegung des New American Cinema beeinflußtes) optisches Vokabular entwickelt, das sie auf Anhieb von dem uns bekannten "kommerziellen" Kino unterscheidet.

3. Den festivalwürdigen reinen Spielfilm, mit erlesenem Geschmack inszeniert, präsentierten in Mannheim nur die osteuropäischen Länder. Der Westen hat sich ganz dem Dokumentarfilm ergeben, der auch in Spielfilmlänge und in Mischformen von Spiel und Dokumentation auftritt.

4. Der experimentelle Film sieht eine seiner wichtigsten Aufgaben in der Analyse des Mediums Film selber und seiner Stellung gegenüber der Gesellschaft und dem Publikum; in einer Fülle von Beispielen bot Mannheim das Bild eines Kinos im Stadium der Selbstreflexion.

1.