Im Grunde seines Herzens ist der gebürtige Münchner, der seinen kultivierten heimischen Akzent als atmosphärisches Stilmittel einzusetzen weiß, eher der Typ der Privat- als des Großbankiers. Der gelernte Jurist hielt es nur ein Jahr im bayerischen Regierungsdienst aus und schwankte dann sehr rasch vom Banksyndikus zum Bankkaufmann um. Zwanzig Jahre diente er, in immer höhere Ränge aufsteigend, der renommierten Münchner Privatbank Merck, Finck und Co. Nach Kriegsende leitete er zusammen mit dem Treuhänder das Institut, und mit 40 avancierte er zum Generalbevollmächtigten. Anschließend. war der engagierte, aber betont tolerante Katholik, der wie sein Förderer Max Geiger zum Ritter vom Heiligen Grab geschlagen wurde, vier Jahre lang Geschäftsführer bei Hardy & Co. in Frankfurt. Von seinem kleinen, erlesen eingerichteten Zweigbüro in der Münchner Ottostraße aus suchte er 1960 ohne Auftrag ein bayerisches Bankenkonsortium für die Bayerische Motoren Werke AG auf die Beine zu stellen, an deren unverwüstliche Lebenskraft er glaubte. Er verhandelte wochenlang mit Interessenten im In- und Ausland. Doch auch als er Mitte 1960 in den Hypo-Vorstand eintrat, ohne daß von seiner „Kronprinzen“-Rolle viel zu spüren war, scheiterte er mit diesen Bestrebungen. Er resignierte: „Ich bin noch zu jung hier im Haus.“

Mit der Hypo wollte er sich damals angesichts des dort praktizierten Anciennitätsprinzips noch nicht endgültig verheiraten, so daß er daneben gern die Sonderstellung eines Komplementärs beim Münchner Bankhaus August Lenz u. Co. einnahm, das auch als Industrieholding fungiert. Bis heute hat er dieses auch finanziell ergiebige Refugium des Privatbankiers liebevoll gehätschelt – vielleicht kommt es ihm bei seinen bank- und unternehmenspolitischen Operationen noch einmal zustatten.

Den Ausgleich sucht er im Urlaub bei der Lektüre Luthers und anderer religionsgeschichtlicher Werke, im Fasching tanzt er nächtelang für die Bank und zum eigenen Vergnügen auf Bällen mit und ohne Snobappeal, regelmäßig steigt er in seinen Swimming-pool, und auf langen Wanderungen, bei denen auch seine Freude an der Botanik zu ihrem Recht kommt, macht er sich fit für neue Taten – auf die seine „Gegenspieler“ nicht ohne Sorgen fast täglich gefaßt sein müssen. Manfred Ritter