Nicht immer aber ist es die Schuld der Baufirma, wenn sich – zum Beispiel – an Decken und Wänden eines gerade fertiggestellten Einfamilienhauses plötzlich breite Risse zeigen. Vor einiger Zeit beklagte sich ein Bauherr sogar vor Gericht über solche Risse, und dennoch bekam der Bauunternehmer nicht die Schuld.

Er konnte nämlich beweisen, daß er sowohl den Bauherrn selbst als auch dessen Architekten rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht hatte, daß der Boden, auf dem das Haus errichtet werden sollte, nicht aus einer einheitlichen Masse bestand, sondern völlig verschiedenartige Strukturen aufwies. Er hatte auch darauf hingewiesen, daß er nicht dafür garantieren könne, daß dieser Boden, sich einheitlich "setze". Daß der Bauherr trotz dieser Hinweise auf die zweifelhafte Tragfähigkeit des Bodens das Haus bauen ließ, rettete den Bauunternehmer vor der Verpflichtung, für den Schaden aufzukommen.

Das aber war ein Ausnahmefall. Normalerweise haftet der Unternehmer, und diese Haftung kann sogar – zum Beispiel durch die Vereinbarung einer Vertragsstrafe – verschärft werden. Der Bauherr ist der "Herr des Baues". Er muß deshalb unbedingt darauf achten, daß er von dieser "Herrenposition" nicht verdrängt wird. Ein Haus kostet viel Geld. Es lohnt sich deshalb in jedem Fall, Einfluß auf den Bauvertrag zu nehmen.

Oft jedoch werden seltsamerweise nicht einmal die Texte eines vorgedruckten Vertrages gründlich durchgelesen, etwa so, als lohne es sich nicht, zwei Stunden intensiver Arbeit für ein Objekt aufzuwenden, das man sich meist nur einmal im Leben leisten kann und das dabei sämtliches eigene Kapital verschluckt.

Rechtsanwalt Heiermann rät: "Die VOB ist in jedem Fall eine vernünftige Vertragsgrundlage. Sie sollte aber unbedingt durch eigene Vorstellungen ergänzt, also "individualisiert werden. Nur dann wird man die Gewähr dafür haben, sich an seinem Haus ungeschmälert freuen zu können."