Vor acht Monaten veröffentlichte J. J. Oynevaar, führender Experte für Seeschiffahrtsfragen in Holland, das Ergebnis seiner Untersuchungen über die Lage der holländischen Seeschiffahrt. Er kam zu dem Schluß, daß die Entwicklung im "kapitalintensiven Schiffahrt-Geschäft" nicht ohne größere Unternehmen zu meistern sei.

Der Übergang zur Container-Linienfahrt ist mit dem Bau kostspieliger Schiffe verbunden. Das Risiko, das mit diesen Investitionen verbunden ist, ist für viele Reedereien zu groß. Oynevaar empfiehlt deshalb den Zusammenschluß der Reedereien zu Groß-Unternehmen.

Oynevaars Schlußfolgerung hat bei einigen Reedern offene Ohren gefunden. Drei holländische Schiffahrts-Unternehmen führen inzwischen Gespräche über eine Fusion.

Es sind die Koninklijke Java-China Paketvaart Lijnen NV, die Koninklijke Rotterdamsche Lloyd und die Stoomvaart Maatschappij "Nederland" NV.

Mit einem Zusammenschluß dieser drei Unternehmen würde eine der größten Reedereien der Welt entstehen, so P. de Josselin de Jong, Direktor der Stoomvaart Maatschappij.

Zusammen besitzen die drei eine Flotte von fast 200 Schiffen mit einer Tonnage von annähernd zwei Millionen Bruttoregistertonnen (BRT). Die Hamburg-Amerika Linie (HAPAG) besitzt zum Vergleich 67 Schiffe mit rund 500 000 BRT.

Die geplante Fusion der drei Reedereien war längst zu erwarten. An den drei Unternehmen ist eine Holding-Gesellschaft beteiligt. Die Nederlandsche Scheepvaart Uni NV hält über 50 Prozent der Aktien der Koninklijke Java-China Paketvaart und jeweils 75 Prozent der zwei anderen Gesellschaften.

Der Zwang zur Fusion ist nicht nur auf holländische Unternehmen beschränkt. Auch in Deutschland sucht die Linienschiffahrt neue Wege für eine Zusammenarbeit. Die zwei Großen – HAPAG in Hamburg und der Norddeutsche Lloyd in Bremen – arbeiten bereits eng zusammen. Gemeinsam betriebene Routen und Abstimmung im Investitionsprogramm zeigen die zukünftige Entwicklung an. kde