DIE ZEIT

London greift durch

Der Besuch des britischen Innenministers Callaghan in Nordirland hat weitere Voraussetzungen für die Gleichberechtigung aller Bürger geschaffen: Die reguläre Polizei wird entwaffnet und muß künftig genau wie der Bobby in London lernen, wie man gewaltlos die Ordnung hütet.

Wettlauf um jeden Preis

Nicht mehr vom Mond ist jetzt die Rede, sondern schon vom Mars. Unter dem Eindruck des jüngsten sowjetischen Raumfahrtunternehmens erklärte US-Astronaut John Glenn, daß die Russen, "wenn es ihnen tatsächlich gelingen sollte, eine dauerhafte Weltraumstation aufzubauen", den Wettlauf zum Mars gewinnen könnten.

Geist ohne Grenzen

Vor einem Jahr erhielt die westliche Welt Kenntnis von einem erstaunlichem Dokument: dem Sacharow-Memorandum. Der Erbauer der sowjetischen Wasserstoffbombe plädierte darin für eine "Konvergenz" des kapitalistischen und des kommunistischen Systems, für eine Aufeinanderzuentwicklung von Ost und West.

Finte nur oder gezielter Wink?

Seit Anfang 1967 hat Ulbricht der Bundesregierung die kalte Schulter gezeigt. Den Plan Willy Brandts für ein "geregeltes Nebeneinander" in Deutschland verwarf er, da die ausdrückliche Anerkennung des ostdeutschen Staates darin nicht vorgesehen war; Anerkennung und zwischendeutsche Regelungen blieben seitdem zu einem starren Junktim verkittet.

Ein Kabinett der Besten?

Willy Brandt hat eine Regierung der inneren Reformen angekündigt und damit manche der ohnehin schon hochgespannten Erwartungen noch weiter beflügelt.

Kreuzfahrer für den Frieden

Es ist kein Wunder, daß Uri Avneri, wiewohl ihm zahllose Beinamen gegeben wurden, so recht in kein Klischee paßt – das Land, in dem er lebt, das Volk, zu dem er gehört, lassen sich auch in keine Norm pressen.

ZEITSPIEGEL

"Im Kaninchenblick verstörter Professoren, die zur Unpolitik erzogen worden sind und infolgedessen zwischen unsubstantiierter Lümmelei und politischem Aufbegehren für vertretbare Ziele nicht zu unterscheiden vermögen, nimmt sich selbst diejenige studentische Schlange noch als Kobra aus, die in Wirklichkeit eine Blindschleiche ist.

Müßiger Streit

Die neue Koalition von SPD und FDP in Bonn wird von vielen ihrer Gegner immer wieder als illegitim bezeichnet. Die Behauptung ist nicht aufrecht zu erhalten.

Amoklauf der Enttäuschten

Einige CDU-Politiker und eine Reihe von Journalisten, die der Union nahestehen, scheinen die Opposition mit einem Amoklauf beginnen zu wollen.

"Jawohl" zu Verhandlungen

"Kurswechsel" in Bonn? In der polnischen Hauptstadt hütet man sich vor derlei Illusionen; die Parole, die ausgegeben wurde, heißt: keine Vorschußlorbeeren, aber auch keine bösen Vorurteile.

Zwischen Zweifel und Hoffnung

Die Schonfrist, die Amerika dem neuen Präsidenten Richard Nixon seit seinem Amtsantritt im Januar gewährt hat, ist zu Ende. An den Colleges und Universitäten, auf den Plätzen der Großstädte, in Kirchen und Versammlungshallen protestieren Studenten und Pazifisten wieder gegen die Fortsetzung des Krieges.

Rätsel über Rhodos

Das Indiz trog nicht: Nur wenige Tage, nachdem Kairos Außenminister Mahmoud Riad in New York angedeutet hatte, Araber und Israelis könnten sich unter Vorsitz des UN-Vermittlers zu indirekten Verhandlungen treffen, ist jener Gesprächs-Unterhändler, der Schwede Gunnar Jarring, auf seinen Botschafter-Posten in Moskau zurückgekehrt.

Fiasko im Sport

Seit geraumer Zeit taumelt der Sport in der Bundesrepublik von einer Führungskrise in die andere. Noch steht das Debakel von Athen, wo unsere ehrenamtlich tätigen Funktionäre von den cleveren DDR-Politruks mit Hilfe des Marquess of Exeter regelrecht ausgepunktet wurden, vor aller Augen, da verbreitet drei Jahre vor den Olympischen Spielen in München der Rücktritt Willi Weyers als geschäftsführender Präsident des Deutschen Sportbundes erneut Panikstimmung.

Gefordert: Denunziation

Für zweihundert Reisende im Nachtschnellzug Prag–Paris endete am letzten Donnerstag die Fahrt bereits im Grenzort Eger: Von tschechoslowakischen Bahnbeamten und Polizisten unsanft aus "kapitalistischen" Urlaubsträumen geschreckt, sahen sie sich unversehens auf den Boden sozialistischer "Realität" zurückgeholt: Durch Regierungsbeschluß hatten über Nacht alle Ausreisevisa für westliche Länder ihre Gültigkeit verloren.

Pompidous Gratwanderung

Fast ein halbes Jahr ist seit dem Tage vergangen, an dem General de Gaulle lapidar mitteilte, er werde ab 28. April zwölf Uhr aufhören, sein Amt als Staatspräsident weiter auszuüben.

Das Fußvolk drängt nach rechts

Ob die britischen Konservativen eine demokratische Partei sind, darüber könnten sich die Politologen lange streiten. Bis 1965 wurden ihre Führer gekürt wie ein mittelalterlicher Kaiser.

Die roten Riesen

In China herrscht Mangel an vielerlei Gebrauchsgegenständen, so auch an Uhren. Es gibt nur ein Modell, das heißt "Schanghai" und kostet rund 160 Mark (das Spitzengehalt eines Industriearbeiters liegt bei etwas über 200 Mark im Monat).

Auszüge aus dem Dokument: "Die Frage des Gewissens neu durchdenken"

"... die Inanspruchnahme des Grundrechtes, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern, stellt den Staat so lange vor keine Probleme, wie der Bedarf an Soldaten gedeckt werden kann und das Grundrecht nicht dazu mißbraucht wird, die Bundeswehr durcheinanderzubringen.

Backlash in Belfast: Neue Unruhen

Nach einigen Wochen relativer Ruhe ist es in Nordirland wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Drei Tote und 46 Verwundete forderten allein nächtliche Straßenkämpfe in Belfast.

Dokumente der ZEIT

Ich bin der Ansicht, daß Sie mit der Bemerkung auf meiner Pressekonferenz, konferenz, Sie würden sich "unter keinen Umständen" von den gegenwärtigen Anti-Kriegsprotesten im Zusammenhang mit dem "Vietnam-Moratorium" beeinflussen lassen, milde gesagt, falsch beraten waren.

Alles für Whisky und Waffen

Erstaunliche Machenschaften hat in den letzten Tagen ein Unterausschuß des amerikanischen Senats zutage gefördert, der sich mit Unregelmäßigkeiten innerhalb der Armee beschäftigt.

Weiter um Mitbestimmung

Während die Verhandlungskommissionen von SPD und FDP in den wichtigsten Personal- und Sachfragen Einigung erzielt haben, dauert die Diskussion über ein Problem an, das die beiden Parteien offiziell bereits geklärt haben: die Frage der qualifizierten Mitbestimmung der Arbeitnehmer.

Starfighter: Der hundertste

"Runter kommen sie alle", lautete eine zynische Prophezeiung, mit der die erschreckende Unfallziffer des 1961 eingeführten schnellsten und teuersten Kampfflugzeuges der Bundeswehr immer wieder kommentiert wurde.

Ovationen nur zum Schluß

Mit einer sechs Minuten dauernden Ovation für den Parteivorsitzenden Edward Heath ging am Wochenende der 87. Jahreskongreß der britischen Konservativen im Seebad Brighton zu Ende.

Wer soll wie mitbestimmen?

Ob der erhebliche Aufwand einer Buchmesse damit nun genutzt oder mißbraucht wurde: das Thema Mitbestimmung in – den Verlagen drängte sich vor, brachte Erregung hinter den Kulissen, beherrschte manchmal die Szene.

Die Unsicherheit der Ordinarien

Im Hochschulverband begegnen wir jetzt täglich der großen Unsicherheit der Kollegen, welche ihrer bisherigen Rechte ihnen auf Grund der in einigen Bundesländern bereits in Kraft getretenen Hochschulgesetze noch verbleiben.

ZEITMOSAIK

Nun ist also auch die Bundesassistentenkonferenz (BAK) entschlossen, den Wissenschaftsrat abzuschaffen. Sie kann in ihm "kein geeignetes Beispiel für das dringend benötigte Modell einer gleichberechtigten Kooperation zwischen staatlichen Aufgabenträgern und Selbstverwaltungsorganisationen der Wissenschaft sehen.

Martin Walser: Erlebnis

Mir keine Milch. Sie werden sich erkälten. Nie im Leben. Wir saßen an Deck. Ich blies den Rauch von mir. Türen schlugen. Die Senne schien.

Der Maler Merveldt

Aus unserem Freundeskreise kannte Ernst Ton Salomon ihn am längsten. Er war mit Hanns Hubertus Graf Merveldt im Kadettenkorps gewesen.

Fernsehen: Lassalle im Stil Sorayas

Ausgesehen haben mag er wirklich so wie Horst Tappert; schön muß er gewesen sein mit dem schwarzen Haar und dem Aristokraten-Gesicht; weltbürgerlich in seinem vortrefflich geschnittenen Habit: äußerlich ein Dandy eher als ein Revolutionär.

Gehacktes

Sechs Tage lang sitzt man in drei Mannheimer Kinos und schaut Filme an, von zehn Uhr morgens bis nach Mitternacht, über dreihundert Filme insgesamt zwischen acht Minuten und zweieinhalb Stunden.

Edition Olympia ’72

Die einen vermuten eine "Weißwurst-Olympiade", die anderen eine "Kunscht-Olympiade". Da glaubt man schnell an böse Zungen, die – vielleicht aus dem fernen Preußen herüber – der Olympiade in München übel wollen.

Kunstkalender

Eine Nachlese zu den vielen Kirchner-Retrospektiven der letzten Jahre, mit weitgehend unbekanntem Material. Die rund 200 Arbeiten, darunter 25 Gemälde, stammen zum größten Teil aus zwei Privatsammlungen, die bisher noch nicht geschlossen zu sehen waren, Ernesto Blohm aus Caracas und Graf von der Goltz aus Düsseldorf haben sich beide auf Kirchner spezialisiert.

FILMTIPS

Repertoire: Filme von Ingmar Bergman. Auf das Unverständnis (bis 1959 und "Abend der Gaukler") und die Idolatrie (bis 1964 und "Das Schweigen") ist beim anspruchsvollen deutschen Publikum die Gleichgültigkeit gefolgt.

Ist die Erde wirklich rund?

Der berufliche Weg eines jeden Schriftstellers gleicht einer hochdramatischen Geschichte. Aber ihre Dramatik können wir nie ermessen.

Durchs Fischauge

Dr. Frank N.................................................................................................................

Was tun mit der Kunst?

Man müßte, hieß es, "jetzt Institute für Entkulturisierung schaffen, eine Art nihilistische Gymnasien einrichten, in denen besonders kluge Lehrkräfte Entklausulierung und Entmystifizierung lehren, wodurch die Nation eine Gruppe solide ausgebildeter Neinsager erhielte, die .

Unter Tränen lächeln

"Maßstäbe zur Beurteilung anzueignen", da, fand er nichts Brauchbares: nur ein paar Interviews, ein paar "biographische Zusammenfassungen", ein paar "oberflächliche Themenaufzählungen".

KRITIK IN KÜRZE

"Irrtum und Leidenschaft", Roman von Walter Hasenclever, mit einem Nachwort von Kurt Pinthus. Von der geschliffenen Dialogspräche, der Begeisterungsfähigkeit des Expressionisten und Aufrührers, des ebenso sensitiven wie hochherzigen Lyrikers und Dramatikers der zwanziger Jahre ist in diesem nachgelassenen, 1939 im Exil niedergeschriebenen Roman nichts mehr zu finden, Der Inhalt erscheint zunächst fast privat: die Erinnerung an drei Frauen aus drei verschiedenen Abschnitten seines Lebens, Niederlagen, deren nachträgliche Bitternis sich auf alle Beziehungen mit Zeitgenossen der Jahre vor 1933 überträgt, die ihm zum Teil auf den Pariser Boulevards wiederbegegnen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Er will nicht "Musik als Anwendung eines Systems schaffen, sondern gelegentlich ein System als Möglichkeit für die Musik". Pragmatismus also.

Wir haben einen neuen Opernregisseur

In der Hamburgischen Staatsoper inszenierte Harry Meyen Rossinis "Barbier von Sevilla" als Spiel im Spiel: ein italienisches Schmierentheater, in dem freilich treffend gesungen und vorzüglich agiert wurde.

Pygmalion aus der Steiermark

Magic Afternoon", das erste Stück Wolfgang Bauers, das ihn auf dem Theater bekanntgemacht hat, benutzte eine ziemlich ruhige, phlegmatische Dramaturgie.

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