Seit Freitag, dem 17. Oktober ist Leverkusen keine "Un-Stadt" mehr, sondern eine Stadt mit einem frisch eingepflanzten Herzen. Die reichen Kommunen Wiesdorf, Bürrig, Schlebusch, Steinbüchel und Rheindorf, rund um die Futterkrippe des Chemiekonzerns Bayer bildeten bisher das Gemeinwesen Leverkusen – mit mehr als 100 000 Einwohnern, war es eine Gemeinde ohne Stadtmitte.

Die Leverkusener Bürger gaben siebzig Prozent ihrer überdurchschnittlich hohen Einkommen in den benachbarten Städten aus – in Leverkusen hatten sie keine Gelegenheit dazu. Diese Form der Kapitalflucht verursachte den Stadtvätern unruhige Träume. Sollte es nicht möglich sein so fragten sie sich und die Stadtplaner-Professoren Hillebrecht und Guther nach dem Beispiel der Retortenstadt Brasilia, ein künstliches Herz aus dem Boden zu stampfen?

Die Professoren fanden: es geht. Ein 70 000 Quadratmeter großes Areal war vorhanden. Es gehörte teils der Stadt, teils den Bayer-Werken. Wer dort ein Mini-Brasilia schaffen wollte, brauchte nichts weiter als 340 Millionen Mark Investitionskapital und schon konnte die Herzeinpflanzung beginnen.

Die Leverkusener Stadtväter ließen sich von der hohen Summe nicht schrecken. Sie schalteten einen privaten Finanzier ein. Er heißt Dr. Carl Schaetzle, ist Jurist, Diplomvolkswirt und Finanzierungsfachmann, und er legte denn auch nach langem Grübeln einen exakten Finanzierungsplan für Leverkusens, neue City vor.

Schaetzles erster Bauabschnitt, der Abschnitt C, ist ein überdimensionales Einkaufszentrum mit 318 000 Kubikmeter umbauten Raumes, davon 145 000 unterirdisch. Die Bundesstraße B 8 wurde – auf Gemeindekosten – unter die Erde gelegt. Der "Rest" dieses Bauabschnitts kostete 70 Millionen Mark.

Für städtische Couleur ist gesorgt: sechs Großkaufhäuser ein Sparkassenneubau, Gaststätten, Bowlingbahnen und sonstige Attraktionen sollen ein städtisches Leben fördern.

Jeder der 28 Geschäftsleute ist sein eigener Herr. Nach dem Eigentumswöhnungsprinzip erwirbt er Sondereigentum an seinen Räumlichkeiten und Anteilseigentum an den Gemeinschaftseinrichtungen. Für beides waren mindestens 50 Prozent der Gesamtsumme anzuzahlen.