khw, London, im Oktober

Der Besuch des britischen Innenministers Callaghan in Nordirland hat weitere Voraussetzungen für die Gleichberechtigung aller Bürger geschaffen: Die reguläre Polizei wird entwaffnet und muß künftig genau wie der Bobby in London lernen, wie man gewaltlos die Ordnung hütet. Zu diesem Zweck wurde ein englischer Polizeioffizier an die Spitze gestellt. Auch sollen die Beamten mehr Katholiken als bisher in ihre Reihen aufnehmen, und Diskriminierung wird es bei der Zuteilung von städtischem Wohnraum nicht mehr geben, denn diese Befugnis, bisher örtlich und damit unter dem Druck der jeweiligen Mehrheit gehandhabt, wird in zentrale Hände gelegt.

Dies war nach der Wahlkreis- und Wahlrechtsreform das zweite Bündel an Maßnahmen, zu dem die nordirische Regierung ja und amen sagen mußte. Die Unionsfraktion tat es widerstrebend, aber mit klarer Mehrheit. Nicht so das radikale Element im protestantischen Fußvolk. Es lehnt sich dagegen auf und fühlt sich von seinen politischen Repräsentanten an den Papst "verraten" und an die Republik Südirland "verkauft". Hinter solchem ideologischen Nebel steht die völlig richtige Erkenntnis, daß die Ereignisse der letzten Wochen die nordirische Selbstverwaltung praktisch aus den Angeln gehoben haben. Die Soldaten des britischen Generals Freeland werden zwar eines Tages wieder abziehen, aber die Polizeireform bleibt.

Dies alles macht deutlich, daß es jedenfalls nicht mehr das Kabinett Chichester Clark ist, das in Nordirland regiert. Die Belfaster Marionetten haben nur noch alle diese Reformen – und damit ihre eigene Entmachtung – selbst unterschreiben dürfen.