Mit einer sechs Minuten dauernden Ovation für den Parteivorsitzenden Edward Heath ging am Wochenende der 87. Jahreskongreß der britischen Konservativen im Seebad Brighton zu Ende. Ganz so angenehm wie sein Schluß verlief der viertägige Parteitag für Oppositionsführer Heath allerdings nicht. Wie schon bei den vorhergehenden Kongressen der Liberalen und der Labour Party gab es auch im konservativen Lager erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die dringlichsten politischen Probleme Großbritanniens.

Die Resolution, in der die Fortsetzung der britischen Bemühungen um einen EWG-Beitritt gefordert wurde, erhielt zwar eine Mehrheit von 977 Stimmen, aber eine große Anzahl der 4000 Delegierten war der Abstimmung ferngeblieben. Heftige Auseinandersetzungen gab es auch um einen Antrag, mit dem die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert wurde; für ihn entschied sich eine knappe Mehrheit von 159 Delegierten. Im Gegensatz zur Einwanderungsfrage, in der es zu harten Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern einer gemäßigten Politik und den Befürwortern eines völligen Einwanderungsstopps kam, zeigten die Konservativen in einem Punkte Einigkeit: Sie plädierten dafür, im Falle eines Wahlsieges die militärische Präsenz Großbritanniens "East of Suez" wiederherzustellen.

Edward Heath ("Der Sieg wird uns nicht leichtfallen") äußerte sich optimistisch über die Wahlaussichten seiner Partei. Eine nationale Meinungsumfrage dürfte ihm dazu freilich keinen Anlaß gegeben haben: Bei ihr wurde festgestellt, daß der Vorsprung der "Tories" vor der Labour Party in den letzten Wochen von 25 auf 4 Prozent zusammengeschrumpft ist.