Das Indiz trog nicht: Nur wenige Tage, nachdem Kairos Außenminister Mahmoud Riad in New York angedeutet hatte, Araber und Israelis könnten sich unter Vorsitz des UN-Vermittlers zu indirekten Verhandlungen treffen, ist jener Gesprächs-Unterhändler, der Schwede Gunnar Jarring, auf seinen Botschafter-Posten in Moskau zurückgekehrt. Offensichtlich sind die Gespräche hinter den Kulissen der UN-Vollversammlung gescheitert.

Wieder hat sich ein arabisches Angebot als Bluff erwiesen. Oder war es diesmal doch ernster gemeint? Noch Ende September hatte Nassers Außenminister Gespräche zwischen den Kontrahenten des Nahost-Krieges als vorstellbar bezeichnet. Das Modell für diesen Kontakt sollten die Gespräche auf der Mittelmeerinsel Rhodos sein. Dort hatten Anfang 1949 ägyptische und israelische Unterhändler nach dem Ende des ersten Krieges ein Waffenstillstands-Abkommen abgeschlossen. Den Vorsitz hatte damals der UN-Vermittler Ralph Bunch übernommen.

Als Minister Riad nun zu einem zweiten "Rhodos" bereit zu sein schien, begann zugleich der Streit um den tatsächlichen Ablauf von 1949. Die Israelis behaupteten, im Hotel "Delle Rose" auf Rhodos hätten sich seinerzeit die Delegationen Auge in Auge gegenübergesessen. Kairo dementierte daraufhin sofort die Berichte, daß Riad sich jetzt in New York zu "Rhodos"-Verhandlungen bereit erklärt habe. Dennoch blieben vage Hoffnungen. Denn der ägyptische Regierungssprecher Ahmed Meguid erneuerte das verschlüsselte Angebot Riads: Nach dem Muster von Rhodos könne darüber verhandelt werden, wie die Bedingungen der UN-Resolution vom November 1967 erfüllt werden sollten. Doch wenige Tage später wurde auch dieser amtliche Sprecher von einer anderen offiziellen ägyptischen Stelle dementiert. Al Ahram, Nassers Sprachrohr, gab die alte arabische Losung aus: keine Verhandlungen mit Israel, weder direkte noch indirekte. Der Zermürbungskrieg werde fortgesetzt, bis die israelischen Truppen die besetzten Gebiete geräumt hätten.

Nach diesem Intermezzo bleibt es bei den alten, starren Positionen. Keine Seite wagt es, den ersten Schritt zu einer Lösung des Konfliktes zu machen. Es fragt sich sogar, ob die Israelis nicht durch ihre voreiligen "Richtigstellungen" das zaghafte Entgegenkommen Kairos blockiert haben. Denn nach Riads Äußerungen in New York wiesen sie sofort darauf hin, daß im Jahre 1949 auf Rhodos direkte Verhandlungen stattgefunden hätten. Tatsächlich versammelten sich damals die Unterhändler beider Seiten nach anfänglich getrennten Beratungen an einem Tisch. Sie hatten es Bunch lediglich überlassen, die Resultate ihrer Gespräche bekanntzugeben. So sollte damals der Anschein gewahrt bleiben, als hätte es sich nur um indirekte Kontakte gehandelt.

Als die Israelis jetzt den wahren Sachverhalt von 1949 veröffentlichten und damit Außenminister Riads Erklärungen korrigierten, erlahmte Ägyptens Bereitschaft zum Einlenken; es zog seinen Vorschlag für indirekte Gespräche wieder zurück.

Dabei ist noch längst nicht ausgemacht, ob es sich wirklich um ein seriöses Angebot gehandelt hatte. Immerhin hätten die Israelis die Offerte zum Testfall machen können – wünscht Nasser Frieden oder Krieg? Da die Diplomaten versagten, haben nun wieder die Militärs das Feld für sich. Dietrich Strothmann