Schönheit als Alibi – Lehrer statt Jurist – Die homoerotischen Gänse

Von Peter Iden

Zwei junge Reporter der in New York erscheinenden Illustrierten Look haben den Bürgermeister von San Francisco in einer der letzten Ausgaben der Zeitschrift beschuldigt, mit den großen Unterwelt-Organisationen Amerikas aufs engste verbunden zu sein. Nach gründlichen Recherchen glauben die beiden Journalisten, dem sich meist jovial und biedermännisch gebenden Joseph Alioto nachweisen zu können, daß er unter anderem mit dem bekannten Cosa-Nostra-Killer Jimmy, dem "Wiesel", Fratianno und Frank, der "Beule", Bompensiero, dem Mafia-Chef von San Diego, schattige Geschäfte getätigt hat, die Alioto zu dem sechsfachen Dollarmillionär machten, der er jetzt ist.

Der Schlag hat den Bürgermeister in der Phase seiner politischen Karriere erwischt, in der seine Freunde gerade begannen, ihre Hoffnungen, Alioto werde eines Tages der demokratische Nachfolger des republikanischen Ex-Schauspielers Ronald Reagan auf dem Sessel des kalifornischen Gouverneurs im weißen Regierungspalast von Sacramento werden können, für berechtigt zu halten. Nun scheint der weitere Aufstieg des Millionärs zunächst gebremst, auch weil er die Möglichkeit, sich im Fernsehen fünfzehn Minuten lang zu verteidigen, nur dazu benutzte, die Schönheiten von wonderful San Francisco auszuspielen gegen das "schmutzige" New York, aus dem niedrigen Anwürfe kamen.

Dabei hatte er allerdings wohl in einem recht: Zumindest der oberflächlichen, gleichsam touristischen Betrachtung der Stadt muß sie in der Tat als "schön" erscheinen. Man kann die auswendige Schönheit dieser Stadt, je nach Neigung, erfahren in dem, was offenbar europäisch ist an ihr – die auf Distanz sich haltende Eleganz der Straßen und Läden um den zentralen Union Square hat etwas von milanesischer Urbanität – das heißt also, in dem, was San Francisco von allen anderen Städten des Westens unterscheidet.

Oder man kann sich beeindrucken lassen von den riskanten Stürzen und plötzlichen Steigungen der Straßen, die die unordentlichen Hügel, an und auf die San Francisco gebaut ist, scheinbar zähmen. Dann gibt es, von Kenneth Rexroth, dem ersten Apologeten der Kerouac und Ferlinghetti, mit Enthusiasmus beschrieben, den Anreiz einer Unzahl (es sollen dreihundert sein, in einer Stadt mit der Einwohnerzahl Frankfurts) gastronomischer Refugien – Rexroth sagt, daß er eigentlich nur der Restaurants wegen noch in San Francisco lebt.

Man kann diese Stadt so erleben: nachmittags mit alten Zahnradbahnen Hügel rauf und Hügel runter fahren, abends irgendwo ziemlich unglaublich dinieren, später in der legendären Bar auf der Dachterrasse des Mark-Hopkins-Hotels sich die ganze Pracht von oben besehen...