Kiel

Die Bundestagswahl brachte der CDU in Schleswig-Holstein einen Verlust von 2,1 Prozent und der FDP sogar einen von 4,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen, während die SPD bedeutend um 4,8 Prozent anzog. Aber in Schleswig-Holstein ist die Welt der Christlichen Demokraten noch in Ordnung. Die Niederlage, die sie und noch mehr ihr Koalitionspartner in der Kieler Regierung unter Ministerpräsident Helmut Lemke (CDU) erlitten, brachte ihnen eine Erhöhung ihrer Landtagsfraktion von 34 auf 36 Mandate. Das Kieler Parlament ist 73 Mitglieder stark. Noch nie war die CDU in Kiel der absoluten Mehrheit so nahe.

Die FDP-Abgeordneten Hans-Detlef Stäcker aus Uetersen und Hans Carstens aus Sievershütten im Landkreis Segeberg gingen eine Woche nach der Bundestagswahl mit fliegenden Fahnen zur CDU-Landtagsfraktion über und weigerten sich, ihrem lauthals protestierenden FDP-Landesvorsitzenden, dem Sozialminister Otto Eisenmann, gegenüber, die Listenmandate zurückzugeben. Die beiden Rechtsliberalen haben jetzt bei der CDU ihre neue politische Heimat gefunden. Die beiden verbliebenen FDP-Abgeordneten Margareta Weiß und Hans-Joachim Herbst erhalten mit Hilfe der CDU Fraktionsstatus in Kieler Landtag und bleiben eine treue Stütze der seit 1950 in Schleswig-Holstein regierenden CDU.

Warum trat Hans-Detlef Stäcker, der Rechtsanwalt aus Uetersen, von der FDP in die CDU über, nachdem seine Partei nun in Bonn und auch schon so lange in Kiel der Macht teilhaftig ist?

Seine Antwort: Ich habe mich durch meinen Übertritt gegen die Methoden gewandt, diese SPD/FDP-Koalition zu bilden. Man hätte erst einmal den Rückgang der FDP sorgfältig analysieren sollen, der in Schleswig-Holstein 40 Prozent betrug. Erst wenn man wußte, ob der FDP-Stammwähler oder nur noch die Linken blieben, hätte man sich in Bonn für eine Koalition entschließen sollen. Aber Eisenmann sagte, der linksliberale Kurs wird fortgesetzt. Das kann ich nicht mitmachen.

Billigen Sie die Bonner FDP/SPD-Koalition? Unter diesen Umständen – nein! Vielleicht hätte ich sie gebilligt, wenn mich die Analyse überzeugt hätte. Das in Bonn sieht aber nach einer vor der Wahl getroffenen Absprache aus.

Sind Sie der Meinung, daß es richtig war, das Landtagsmandat nicht an die FDP zurückzugeben, sondern zur CDU-Fraktion zu gehen?