Von Hellmuth Karasek, Petra Kipphoff, Rudolf Walter Leonhardt und Dieter E. Zimmer

Opas Buchmesse ist tot", verkündete der Opa Sebastian Haffner im Messefilm der ARD. Diese Ausrottung der Opas durch die Opas bekommt nachgerade etwas Gespenstisches.

Dennoch hatte Haffners Sensorium funktioniert. Die 21. Frankfurter Buchmesse war zwar schon wieder die größte – aber der Rekorde wird man einmal müde. Wer dabei sein durfte, konnte, mußte, der wurde das Gefühl nicht los: so geht es nicht weiter, das hat sich kaputtgelaufen, und wenn der Oberbürgermeister von Frankfurt ums Geschäft bangt, dann bangt er um zuwenig.

Das Geschäft geht ja, es geht sogar ganz gut – ein Agent erzählte uns, er habe dieses Jahr bessere Geschäfte gemacht als je zuvor. Auch mehr ausländische Aussteller als je zuvor sollen diesmal auf der Messe gewesen sein. Was macht es da, daß einer von ihnen uns erzählte: "Meine Firma hat mir die Anweisung gegeben, wenn es knallt, wenn der Stand kaputtgeschlagen wird – lassen Sie alles stehen und liegen, und nehmen Sie das nächste Flugzeug!"

Es knallte nicht, jedenfalls, nicht sehr. Und der Mann, war auch kein Südafrikaner, wurde also nicht in nationale Sippenhaft genommen für die Apartheidspolitik seiner Regierung.

Aber es hätte doch knallen können. Jeder erwartete das. Dadurch entstand auf der einen Seite Angst – die Angst vor allem, bloßgestellt, gedemütigt, verspottet zu werden. Auf der anderen Seite machte sich die Frustration unerfüllter Erwartungen breit.

Ein Kollege: "Ich hatte die Möglichkeiten, Verleger, Professor oder Intendant zu werden. Mensch, bin ich froh, daß ich Journalist geblieben bin!"