In der zurückliegenden Woche hat es so etwas wie eine Wahl-Hausse gegeben. Was über die künftige Bonner Politik durchgesickert ist, klang in den Ohren der Anleger befriedigend. Mit der Aufwertung hatte man sich abgefunden, zumal gleichzeitig die vierprozentige Exportsteuer beseitigt wurde. Nun glaubte man, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Dies um so mehr, als der Zentralbankrat abermals auf eine Verschärfung seines Restriktionskurses verzichtet hatte.

In diesen Zustand sich mehrenden Behagens platzten Gerüchte über Käufe ausländischer (häuptsächlich amerikanischer) Fonds an den deutschen Börsen. Angeblich hielten diese Fonds die in deutschen Aktien steckenden Kurschancen für so groß, daß man die Zahlung der US-Zinsausgleichssteuer (wird fällig, wenn Amerikaner ausländische Wertpapiere erwerben) in Kauf nehmen zu können glaubt.

Größere Kaufaufträge sind bislang jedoch nicht aus Übersee gekommen. Doch die Aussicht darauf löste nicht nur beim deutschen Publikum, sondern offensichtlich auch bei deutschen Fonds hauptsächlich in den Standardaktien Käufe aus. Sie hatten erhebliche Kurssteigerungen zur Folge. Die Haussiers jubelten. Denn wenn tatsächlich die Amerikaner kommen, dann wird es heiß in den deutschen Börsensälen werden.

Aber Vorsicht bleibt am Platze. Von einigen Banken ist zu hören, daß es auch Ausländer gibt, die sich von ihren deutschen Effekten dann trennen wollen, wenn der endgültige Aufwertungssatz feststeht. Bisher hat Abwarten nur Geld gebracht. Bei den Ausländern hält man für die Mark einen Aufwertungssatz von "mindestens" acht Prozent für sicher. K. W.