Ob der erhebliche Aufwand einer Buchmesse damit nun genutzt oder mißbraucht wurde: das Thema Mitbestimmung in – den Verlagen drängte sich vor, brachte Erregung hinter den Kulissen, beherrschte manchmal die Szene.

Kurz vor der Messe hatten sie es zum vierten Male erlebt, daß ein Verlag sich von einem Mitarbeiter trennen kann, als ob dieser nicht vielen ein unentbehrlich erscheinender Teil des Verlages gewesen wäre: diesmal Rowohlt von Fritz J. Raddatz; vorher Suhrkamp von Walter Boehlich, Walter von Otto F. Walter, S. Fischer von Rudolf Hirsch.

Solche Trennungen werden als Unrecht empfunden und sind es auch. Zu Unrecht übrigens werden sie dem kapitalistischen System angelastet, das (wie in Amerika) so funktioniert: Leitende Angestellte, "Manager", schließen (wie bei uns die Trainer der Bundesliga) einen Vertrag, der nur für zwei oder drei Jahre gilt und dessen Verlängerung keineswegs selbstverständlich ist. Das Risiko, das sie eingehen, wird dann freilich auch durch Spitzengehälter honoriert.

Wo eine "sozialere" Lösung als die richtigere erscheint, müssen Wege gefunden werden, die "Macht" innerhalb eines Verlages gerecht zu verteilen. Also "Mitbestimmung". Aber gerade ein "Alleinbestimmungsgeschädigter" wie Fritz J. Raddatz wies (in einer Diskussion des WDR) auf die Schwierigkeiten hin, die mit dem Zauberwort noch keineswegs gelöst sind: wer bestimmt denn da mit? und wie? entscheiden Kontoristinnen dann mit über das Verlagsprogramm? und wo werden die eigentlichen Literaturproduzenten, die Autoren (die ja normalerweise nicht Angestellte des Verlages sind), gehört?

Fragen über Fragen, die hier nur angedeutet werden können. Gewerkschaftsmodelle sind auf Verlage nicht unmittelbar übertragbar.

Als gangbarster Weg erscheint in einer noch immer auf Privateigentum sich gründenden Gesellschaft der Umweg: Mitbestimmung als Mitverantwortung durch Miteigentum.

Bei Bärmeier und Nikel soll dieser Weg jetzt beschritten werden. Daß auch er nicht geradewegs zum Ziel führt, beweist eine Geschichte, die auf der Buchmesse die Runde machte. Da soll einer, dem Literatur noch wichtiger ist als Rendite, geklagt haben: "Wir hatten ein so schönes Frühjahrsprogramm. Das ist jetzt kaputt. Alle Titel, die nicht eindeutig finanziellen Erfolg versprachen, mußten gestrichen werden. Die neuen Kommanditisten (also: die Angestellten des Verlags) wollen kein Risiko; sie wollen, daß das Geld in der Kasse klingelt..."

Ein praktikables Mitbestimmungsmodell für Verlage – übrigens: auch Zeitungsverlage – muß erst noch entwickelt werden. Leo