Nicht mehr vom Mond ist jetzt die Rede, sondern schon vom Mars. Unter dem Eindruck des jüngsten sowjetischen Raumfahrtunternehmens erklärte US-Astronaut John Glenn, daß die Russen, "wenn es ihnen tatsächlich gelingen sollte, eine dauerhafte Weltraumstation aufzubauen", den Wettlauf zum Mars gewinnen könnten.

Was in Glenns Befürchtung zum Ausdruck kommt und ebenso in den weltweiten Vermutungen über die wirklichen Aufgaben der drei Sojus-Schiffe, ist eine neue große Unsicherheit in der US-Raumfahrt. Kaum schien in diesem Sommer jener gewaltige Schock, den die Amerikaner 1957 durch Sputnik I erlitten hatten, endgültig überwunden, da werden die Amerikaner ein zweites Mal (und kaum weniger hart) geschockt. Sie müssen erkennen, daß die Russen ihnen beim Bau einer Raumstation voraus sind. Mindestens ebenso erschreckt es sie, daß die Russen über ein Salvenstartsystem verfügen, während sie selber – nachdem sie aus Sparsamkeitsgründen zwei Abschußrampen abgebaut haben – bestenfalls Doppelstarts möglich machen könnten.

Vielleicht wird dieser Schock eine ähnliche Wirkung haben wie die erste – damals erklärte John F. Kennedy eine amerikanische Mondlandung zum Nationalen Programm. Ob es indessen vernünftig wäre, die für den von Wernher von Braun vorgelegten Plan einer bemannten Expedition zum Mars erforderlichen 24 bis 40 Milliarden Dollar jetzt zu bewilligen, das bleibt zumindest fraglich. Der Wettlauf der Supermächte scheint im Weltraum nicht weniger kostspielig zu sein als im Bereich der Nuklearrüstung. G. P.