Meine Dollarkrise begann Ende September, als mir meine Tante aus Kansas City schrieb, sie werde demnächst 1000 Dollar an mich überweisen; ich möge sie gut verwahren, denn der Dollar sei die sicherste Währung der Welt. Bislang war ich für die Mark-Aufwertung gewesen, aber jetzt sah ich ihre Nachteile.

In meiner Not wandte ich mich an meine bewährten Währungsexperten, Professor Recht und Professor Haber, denen ich schon manch guten Rat zu verdanken hatte. Mein Pech schien sie ehrlich zu erschüttern. "Vor drei Wochen waren das noch 4000 Mark. Heute steht der Dollar bei 3,728 Mark. Wenn Ihre Tante etwas früher...", meinte Prof. Recht bedauernd.

"In Geldsachen ist meine Tante etwas bedächtig", verteidigte ich meine Familie.

"Es gibt Weltfirmen, die haben dabei Millionen verloren", versuchte Prof. Haber mich zu trösten. Prof. Recht fügte hinzu: "Außerdem sind Sie nur das Opfer einer falschen Währungspolitik. Das haben Sie davon, daß im November 68 nicht aufgewertet wurde. Davon haben wir die importierte Inflation."

Prof. Haber schien seinen Ohren nicht zu trauen: "Davon? Wollen Sie ihm vielleicht weismachen, daß er bei einer Anpassungsinflation besser dastünde – Sie Wachstumsfanatiker?"

"Besser jedenfalls als bei einer hausgemachten, belehrte ihn Prof. Recht, "Stabilität, mein Lieber, Stabilität!"

"Entweder jetzt aufwerten – oder nie, habe ich am 9. Mai gesagt", konterte der andere, worauf Prof. Recht mit böser Ironie die Frage stellte: "Wem – Kiesinger?"