Von Lilo Weinsheimer

Die Saison war top! Peter Jaehner, Manager für das jüngste und hoffnungsvollste Kind der Touropa, die Autoreisen, hat Grund genug für einen genießerischen Blick zurück auf das Jahr 1969. Der Ausblick auf 1970 bringt ihn in Verzückung: "Die Saison wird super!" Der große Einkauf für die Autotouristen der siebziger Jahre hat begonnen. Eingekauft werden: Feriendörfer, Bungalows, Chalets, Appartements, Hotels und Fährschiffe. "Der Deutsche und sein Auto sind im Urlaub nicht voneinander zu trennen. 57 Prozent aller Touristen reisen heute schon mit dem eigenen Wagen."

Was 1968 als Versuch begann und gleich 3500 Buchungen brachte, die fertig verpackte Autoreise, es wurde – sagt die Touropa – ein Senkrechtstarter. 14 000 Touristen waren in diesem Jahr dabei. Die Schätzungen für 1970 liegen bei 30 000. Das Auto ist immer dabei: auf Straßen und Autobahnen, auf Fährschiffen und im Autozug. Schon ist die Rede von Touropa-eigenen Autoreisezügen, die preisgünstiger fahren sollen als die Autozüge der Bundesbahn. Auch die Einrichtung von eigenen Reparaturwerkstätten für Pkw-Kunden im In- und Ausland scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Eine praktische Ergänzung zum Autoprogramm bietet der "Neue Automobilclub" (nac). Er vermittelt Pannenkredit, Krankenhaustagegeld, einen Nottankscheck, Hilfe bei Arzt- und Krankenhausrechnungen, Fahrzeugrückführung, Kaution bis 10 000 Mark bei Festnahme nach Verkehrsunfällen, Rechtshilfe. Dafür zahlt der Urlauber zwischen 18 Mark (Inlandsreisen) und 24 Mark (Auslandsreisen). Neu ist auch dies: Wer ohne Textilien Urlaub machen möchte – auf Korsika etwa –, kann dies im Reisebüro künftig diskret umschreiben. Er fischt sein FKK-Ziel aus dem Autoprogramm und bucht das Nackedeiparadies ohne Scheu und Scham, der verbalen Beschreibung seiner Lust auf "ohne" enthoben.

Der Traum vom eigenen Mini-Schloß mit eigenem Herd, das Statussymbol Auto davor placiert – in Rosapineta (jeweils eine Autostunde von Venedig und Padua entfernt) wird er nahezu erfüllt. Um dieses Bungalowdorf ist der Kulissenkampf von vierzehn Reisegesellschaften um Kontingente lebhaft entbrannt. 3000 Betten in Chalets, Bungalows und Appartementwohnungen und 3000 Zelt- und Wohnwagenplätze auf einem 400 000 Quadratmeter großen Gelände längs der Adria sind zu vergeben. Ab Sommer 1970 wird zusätzlich ein Campingplatz des ADAC eröffnet.

Privater Initiative ist ein Riegel vorgeschoben: Gebucht werden kann nur über Reisebüros und Klubs. Die Qual der Wahl bleibt trotzdem: ein Chalet in Strandnähe oder im Pinienwald, ein Bungalow, Appartement oder Hotelzimmer? In den Chalets fließt das Wasser kalt und warm, in den Bungalows nur kalt. Wie immer man sich auch bettet, für alle gibt es Selbstbedienungsläden, Wäscherei, Reinigung, Friseur, Postamt, Arzt, Rote-Kreuz-Station, Hundestrand, Kindergarten, Kinderspielplätze, Restaurants und Tankstelle. Das Meer ist überall nahe, von 20 Schritten bis zu 300 Metern.

Ein Zwei-Bett-Chalet mit Küche, Propangasherd, Kühlschrank, Dusche und WC kostet in der Vor- und Nachsaison (29. April bis 31. Mai und 13. September bis 4. Oktober) 87 Mark pro Woche; in der Hauptsaison (7. Juli bis 31. August) 198 Mark; in den Zwischenzeiten 141 Mark. Für ein Acht-Bett-Chalet bezahlt man zu den entsprechenden Zeiten: 202, 570, 391 Mark. Bettwäsche wird gestellt. Extras, wie Liegestühle, Sonnenschirme und Propangas, werden gesondert berechnet. Die Appartementwohnungen sind bei ähnlichen Preisen wesentlich geräumiger, komfortabler und schalldichter als die Chalets und Bungalows – trotzdem sind sie schwerer zu vermieten.