Hamburg ist allerdings nicht, die erste Stadt: In München gibt es seit 1967 einen Ehrenpreis, mit dem Bauherren ein Jahr lang für sich werben dürfen. In Hannover wird schon seit fünfzehn Jahren der Laves-Preis verliehen. In Hamburg aber entscheiden zum erstenmal Architekten allein über die Preisverleihung.

In einer feierlichen Versammlung im Festsaal des Hamburger Rathauses (Brahms op. 40, Esdur, Andante, Scherzo-Allegro) ehrten sie gleich zehn Personen der Bauherrenseite, unter anderen: Georg Mandel, der als Leiter der U-Bahn-Planung dafür sorgte, daß nicht ein Bahnhof wie der andere aussieht; Ferdinand Gatermann, den verdienstvollen Architektur-Berichterstatter des "Hamburger Abendblattes"; Henry Zwanck, den Chef einer Wohnungsbaugesellschaft, die als erste Terrassenhäuser im sozialen Wohnungsbau errichtete; Helmut Freiherr von Schröder, der Hamburg seinen Park an der Elbe schenkte, und Dr. Karl Lehwald, der vier Hamburger Maler beauftragte, die kahle Brandmauer an der Großen Freiheit Nr. 58 zu bemalen.

Den Preisträgern wurde mit der Urkunde eine dreiteilige Kleinplastik der Bildhauern Ellen Jekel überreicht. Anders als andere Preise im Bauwesen ist der Bauherrenpreis also nicht gerade üppig. An der grundsätzlichen Übermacht der Bauherren, die im Besitz der Produktionsmittel Boden und Geld sind, wird sich so bald nichts ändern. Von Zeiten, in denen nicht Architekten um das Wohlwollen, von Bauherren, sondern Bauherren um das Wohlwollen von Architekten bangen, wagt auch die Hamburgische Architektenkammer kaum zu träumen. Hermann Funke