Das Verfahren ist beliebt: Pornographisches wird genüßlich in irgendeinem Presseorgan ausgebreitet. Dem folgt – nachdem der Werbewirkung Genüge getan ist – der empörte Kommentar. "Pfui, das es so etwas gibt..." Frankreichs Gaullisten haben sich ein ähnliches Verfahren ausgedacht.

In ihrem Zentralorgan "La Nation" verbreiteten sie sich ausführlich über die deutschen Agrarsünden wider den Gemeinsamen Markt. Bonn habe, ohne die EWG-Organe zu fragen, unter Verletzung des Europa-Vertrags Grenzabgaben auf Agrarimporte eingeführt, wettert das Blatt. Solch "wirtschaftlicher Nationalismus" aber könne sich als weit gefährlicher erweisen als jener politische, den man gern dem General de Gaulle vorwerfe. Nichts könne nun andere Länder daran hindern, in der zollfreien EWG wieder Grenzabgaben auch auf Industrieprodukte zu erheben.

Das schlechte deutsche Beispiel verdirbt also die guten französischen Sitten. Schon finden sich die Gaullisten als Brüder im Geiste mit den Linksintellektuellen des Pariser "Nouvell Observateur", der ähnliches empfiehlt.

Wenn Bonn keine Vorwände dafür liefern will, daß Anti-Europäer Europa und deutsche Exportinteressen schädigen, nämlich ebenfalls den Vertrag verletzen, dann sollte die Bundesrepublik nach der Aufwertung schleunigst wieder vertragskonform werden. hb