Schirach und Speer, zwei ehemalige Hauptkriegsverbrecher, leben als freie Bürger unter uns. Sie zehren von ihren Tantiemen. Ihr Kamerad aus zwanzig Kerkerjahren, der greise Rudolf Heß, der viel weniger Macht verwaltet, viel weniger Schuld auf sich geladen hat denn jene, dämmert seit dem Herbst 1966 in der Spandauer Einzelhaft einem ungewissen Ende entgegen, allein in einem Gefängnis für 600 Personen, bewacht von einer ganzen Kompanie. Der sinnloseste, verrückteste, teuerste Strafvollzug der Welt.

Das Foreign Office, das sich für den einst prominentesten Kriegsgefangenen Großbritanniens verantwortlich fühlt, will nun abermals an die unerbittlichen Russen appellieren, des "grausamen und unmenschlichen Spiels" genug sein zu lassen. Ob sich die neue Bundesregierung diesem Akt der Humanität anschließen wird? Oder wird es auch die kommenden vier Jahre in Sachen-Spandau weiterhin heißen: Bonn zahlt und – schweigt? kj.