Von Gerhard Ziegler

Frankfurt am Main

Der hessische Ministerpräsident Albert Osswald ist mit der Kabinettsmannschaft, die er jetzt vorgestellt hat, zufrieden: "Es ist ein Kabinett der guten Minister, die gewillt sind, gute Sacharbeit zu leisten." Wer die Vorgeschichten der Wiesbadener Regierungsbildung allerdings verfolgt hat, wird eher, zu dem Ergebnis gelangen: es hätte schlimmer kommen können.

So wurde dem Landrat von Wetzlar, Werner Best, der Einzug in das Kultusministerium verwehrt. Das war nicht nur von der Sache her ein Erfolg, es war auch ein Musterbeispiel dafür, daß "die da oben" nicht gegen eine breite öffentliche Meinung schalten und walten können, wie sie wollen. Kaum war der Name Best in der Diskussion aufgetaucht, gab es nur eine Meinung: Für dieses Ressort ungeeignet. Bests Stärke liegt auf dem Gebiet der Verwaltungstechnik, nicht der Kulturpolitik.

Im Rückblick erweist sich Osswalds Taktieren als recht geschickt. Er nützte die Stimmung in der Öffentlichkeit, um sich bei seinen Genossen im Parteivorstand und in der SPD-Landtagsfraktion freie Hand bei der Besetzung des Kultusministeriums zu schaffen. So konnte er am Großkampftag, der gemeinsamen Sitzung beider Gremien, den "Kaninchen-aus-dem-Zylinder-Trick" vorführen und einen Mann präsentieren, der während der aufreibenden Wochen der Kabinettsspekulationen nie ins Gespräch gekommen war: den Frankfurter Soziologieprofessor Ludwig von Friedeburg. Für diejenigen Professionellen, die im Kabinett die höchste Stufe der Parteiversorgung sehen, mußte diese Nominierung wie ein Tiefschlag wirken. Denn der Ordinarius konnte nicht einmal einen schlichten Parteiausweis vorlegen, als er in die Landeshauptstadt fuhr, um sich der versammelten SPD-Mannschaft vorzustellen.

Aber Ministerpräsident Osswald, der nach der hessischen Verfassung für seine Minister den Segen einer Parlamentsmehrheit braucht, konnte unbesorgt sein. Durch die breite und erregte Diskussion über die Besetzung des Kultusministeriums war dieser Posten zur Schlüsselfrage für die Kabinettsbildung geworden. Das heißt: Hier mußte Osswald völlig freie Hand gelassen werden, wollte man ihn nicht desavouieren. So geschah es denn, daß der Außenseiter von Friedeburg ohne Debatte akzeptiert wurde. Alles spricht dafür, daß er der richtige Mann ist, Hessens Spitzenposition in der Kulturpolitik zu halten.

Die Sensation der Mammutsitzung von Vorstand und Fraktion der SPD lieferte schließlich ein Mann, der schon auf der Kabinettsliste stand und in hartem Ringen von den SPD-Parlamentariern gekillt wurde: Olaf Radke. Für ihn hatten sich die Gewerkschaften und die hessischen Vorstandsmitglieder stark gemacht. Aber das nützte alles nichts, und es zeigte sich wiederum einmal, daß sich ein engagierter Südhesse mit Sicherheit zwischen alle Stühle setzt, wenn er nach einem Ministersessel strebt. Den südhessischen Genossen hatte sich der "Rote Olaf" entfremdet, als er mit Blick auf das Sozialministerium sein Temperament zu zügeln schien; doch den Braven in der Partei war er immer noch zu links, um ihn in Wiesbaden regieren zu lassen. Ein tragischer Fall, denn Olaf Radke hätte ohne Zweifel die fachliche Qualifikation für die Leitung des Sozialministeriums mitgebracht.