Von Marie-Luise Scherer

Werner Müllers WDR-Tanzorchester baute schon die Instrumente auf der Bühne auf, als der Augsburger Mechaniker Rudolf Müller erschöpft aus seinem Auto stieg und die Briloner Schützenhalle betrat. Er suchte den Briloner Verkehrsdirektor Heinz Müller, den Mann, der genau das verwirklicht hatte, was ihm – Rudolf Müller – auch schon durch den Kopf gegangen war: alle Müllers in Deutschland zu versammeln und ihnen das warme Gefühl von Verwandtschaft zu geben.

Rudolf Müller stand endlich vor Heinz Müller und sprach mit der Stimme eines Geschlagenen: "Ich möchte Ihnen meine Hochachtung ausdrücken. Ich bin gekommen, um Ihnen für das hier zu gratulieren."

Für Heinz Müller, den Verkehrsdirektor de-Stadt Brilon im Hochsauerland, war diese Begegnung kurz vor Beginn des Bunten Abends "Müller, Müller und Müller" sicher kein Zeichen für die Gleichzeitigkeit großer Einfälle. Er hatte Wochen und Monate vorher nur von sich selber in den Zeitungen lesen können: daß er, Heini Müller, dem deutschen Fremdenverkehr ein: Pointe geliefert habe.

Vom 10. bis 12. Oktober spannte sich am Anfang und am Ende der Stadt ein Transparent über die Hauptstraße "Willkommen zum Müller-Festival".

Dies war Heinz Müllers Abschiedsidee für Brilon, das er, 30jährig und als "Knüller-Müller’, verlassen wird. Er hat immer mit den Werbemethoden der freien Wirtschaft gearbeitet, sich immer an den großen Touristenwegen orientiert und spezielle Wege für Brilon gesucht. Im vergangenen März ließ sich Müller einen kostenlosen Testurlaub – eine Wochenendkostprobe – für Brilon einfallen: 20 000 Anfragen; 400 Interessenten durften kommen.

Die umliegenden Orte warfen ihm schnell unlauteren Wettbewerb vor – zu einem Verfahren kam es nicht. Müller brachte Zugluft unter die Schieferdächer von Brilon. Jede auch noch so selbstverständliche Qualität des Ortes formulierte er um zu einer Spezialität. Der größte "stadteigene Wald Westdeutschlands" (70 000 Hektar), ist dabei sicher das einzige gewachsene Superlativ. Die anderen Merkmale, die einen Urlaub in Brilon herausfordern könnten, sind Erfindungen für "potentielle Zielgruppen": "Erholung am Lebensabend", zum Beispiel, mit den näheren Ausführungen "prickelnder Sektnachmittag, gleichaltriger Reiseleiter, Musik und gute Laune’.