Auch die Nachricht von einer möglicherweise schärferen Mark-Aufwertung als 6 1/2 Prozent – wie bisher von Optimisten vorausgesagt wurde – hat die deutschen Aktienkurse nicht erschüttern können. Jeder Ansatz zur Schwäche wurde bisher von den Anlagekäufen der großen Kapitalsammelstellen, besonders der deutschen Investment-Fonds, sofort erstickt. Jetzt zahlt sich die vorsichtige Politik der Fonds aus, die sich frühzeitig eine ansehnliche Barreserve schufen und nun in der Lage sind, Börsenschwächen zur Anlage auszunutzen.

Diese günstige markttechnische Situation ist eine der Hauptstützen der gegenwärtigen Tendenz am Aktienmarkt. Einiges spricht dafür, daß sie es vorerst bleiben wird, denn mit der zunehmenden Tätigkeit einiger Versicherungsgesellschaften im Vertrieb von Fondsanteilen dürften weitere Mittel für den Aktienmarkt mobilisiert werden.

Unverkennbar werden diese Gelder "fachmännisch" angelegt und fließen nicht in die heißen Börsenrenner. Es ist keineswegs zufällig, wenn in den letzten Tagen die erstklassigen deutschen Chemie-Aktien, die Großbank- und die Kaufhauswerte bevorzugt wurden. Die Unternehmen dieser Branche werden auch nach der Aufwertung gut im Geschäft liegen. Entweder weil sie international produzieren, also nicht mehr allein von der deutschen Konjunktur abhängig sind, oder weil sie überhaupt nicht von einer Aufwertung "erreicht" werden, wie zum Beispiel die Großbanken. Bei den Kaufhäusern rechnet man sich im Zuge der Konsumwelle ein erhebliches Umsatzplus aus. K. W.