Von Michaela Seiffe

Seit nunmehr zwei Jahren geben Aktionen linksengagierter Studenten und Schüler dort, wo gesellschaftlichem Geschehen in besonderem Maße Öffentlichkeit zukommt, diesem so recht eigentlich den Anschein des wirklichen Ereignisses. Ich hätte es daher für nicht möglich gehalten, daß sich noch Institutionen finden, die so offensichtlich versagen, wenn gesellschaftliche Antagonismen in sie hineingetragen werden – die sich fehl verhalten.

Als Fehlverhalten jedoch stellt sich die Reaktion der Verantwortlichen während der diesjährigen Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Helmut Heißenbüttel durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt dar.

Was war geschehen?

Da betrat eine Gruppe von Studenten und Schülern der städtischen Georg-Büchner-Schule die Otto-Berndt-Halle, vor der Laudatio auf den Preisträger, ruhig und beinahe schüchtern, um eine Resolution zu verlesen.

Ungestört hatte der hessische Kultusminister Schütte die Anwesenden begrüßen können. Ungestört blieb auch die Übergabe des Sigmund-Freud-Preises für wissenschaftliche Prosa an Bruno Snell und des Johann-Heinrich-Merck-Preises für literarische Kritik und Essay an Erich Heller.

Die Veranstalter, die hessische Landesregierung, der Magistrat der Stadt Darmstadt und die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, wußten von der geplanten Aktion.