Von Petra Kipphoff

Da steht er, im Western-Spreizschritt und wohlbewaffnet, eine herrlich dümmliche Männerschönheit, "Elvis", von Andy in Lebensgröße auf Silberleinwand serigraphiert. Wer ihn nicht mag, der kann sich nach nebenan zurückziehen, zu Stefan Lochners "Madonna im Rosenhag" vielleicht. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum ist, seit es die Sammlung Ludwig beherbergt, allen Vorlieben und Abneigungen gewachsen, es ist das attraktivste Museum geworden, das es hierzulande gibt.

Aber da steht er, es lebe die Serigraphie, gleich noch einmal in der Kunsthalle am Neumarkt, und wer ihn mag, kann diesen "Elvis" für 50 000 Mark sein eigen nennen. Seit es einen Kunstmarkt in Köln gibt, existieren in dieser Stadt die liebgewordenen Diskussionsabgründe zwischen der Kunst vom Tage und der Kunst von vor 500 Jahren nicht mehr.

Der Kölner Kunstmarkt begann 1967 als Experiment, ein leicht verzweifelter Akt der Vorwärtsverteidigung, mit dem 18 Galerien einen Weg aus der Kunsthandelsklemme suchten. Er hatte dieses Stadium noch kaum hinter sich, als er 1968 schon von Protest und Polizei kurzfristig in die Establishmentkrise hineinmanövriert wurde. Und er ist mit dem Jahr 1969 endgültig aufgenommen in den Veranstaltungskalender, irgendwo zwischen Salzburg und Bad Segeberg.

In Zahlen sieht das so aus: 1967 waren es 12 000 Besucher, 1968 kamen 20 000, dieses Mal durchwanderten in der Zeit zwischen dem 14. und 19. Oktober durchschnittlich 8000 Menschen pro Tag die Kojen der 22 teilnehmenden Galerien.

Man traf in Köln seinen Zahnarzt aus Hamburg und die Galeristin Sonnabend aus Paris, man stolperte über Kleinkinder und drängelte sich mit Studenten, man wühlte mit Beamten oder Industriellen in den Graphikmappen an den Ständen.

Nur eine Sorte Mensch schien, nach allem, was man sah und hörte, Mangelware: Museumsdirektoren. Paul Wember aus Krefeld hatte sich gleich zu Beginn das Seine reservieren lassen (bei Schmela ein Beuys-Objekt, bestehend aus einem Hocker, Tisch und Drahtgeflecht, für 50 000 Mark und bei Müller eine herrliche Bildskulptur von Lee Bontecou für 40 000 Mark). Aber die anderen Herren mißtrauen unserem Schiller, dem Jüngeren, sparen jetzt das Geld, das auf dem nächsten Kunstmarkt vielleicht nur noch die Hälfte wert ist, scheinen irgendwo hängengeblieben zu sein auf der Strecke zwischen Salzburg und Bad Segeberg.