Von Willi Bongard

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: daß der Kölner Kunstmarkt zum dritten Male stattgefunden hat –, daß es auch diesmal wieder ein voller Erfolg (für die Galerien) war –, daß das Angebot überraschend vielfältig und für jeden Geschmack, auch für den verrücktesten, etwas zu haben war –, daß die Preise für "Markenartikel" der zeitgenössischen Kunst gegenüber dem Vorjahr teilweise um über hundert Prozent angezogen haben –, daß der Kunstmarkt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle Anzeichen eines Verkäufermarktes trägt und daß das Geld – der Schiller-Konjunktur sei Dank – lockerer denn je in den Taschen sitzt.

Über den geschäftlichen Teil des Kölner Kunstmarktes berichten heißt im Grunde eine Leichenrede halten. Die meisten schönen (was immer das heißen mag) Objekte, Bilder, Skulpturen und Handzeichnungen, die es in Köln zu sehen und zu kaufen gab, sind schon nicht mehr zu haben. Wem sei’s geklagt? Dem Kunst-als-Kapitalanlage-Enthusiasmus, oder der überschäumenden Konjunktur, oder womöglich der bloßen Kunst-als-Kunst-Euphorie?

Alle drei Faktoren mögen im Spiel gewesen sein. Kein Wunder, daß die Kunsthändler übermütig werden – wenn auch nicht alle in dem Maße wie der Kölner Galerist Rudolf Zwirner, der mich in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober beschimpfte, weil ich immer noch von "Multiples" in relativ hohen Auflagen zu relativ niedrigen Preisen für relativ kleine Geldbeutel schwärmte.

Rudolf Zwirner und diejenigen seiner Kollegen, die sich nicht mit "Papierkram" und anderen kleinen Kunstobjekten für kleine Sammler aufhalten (weil damit kein "Geschäft" zu machen ist – wirklich nicht?), hätten mich gründlich mißverstanden, wenn sie annähmen, daß ich für sogenannte "Originale", für einmalige, große, großartige Stücke nicht geradeso empfänglich sei wie vermutlich jeder andere Sammler,

Es ist überaus reizvoll, darüber nachzudenken, was man wohl auf dem Kölner Kunstmarkt gekauft hätte, wenn ...

"Wenn ich (einmal) reich war’..." Wenn ich wirklich reich wär’, das heißt eine runde Million für Kunst(käufe) übrig hätte, ja, was hätte ich aus Köln mitgebracht?