Klaus Dieter Arndt, bislang parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, meinte: "Für diesen Posten kommt nur der beste Fachmann in Frage, den wir für dieses Gebiet erhalten können In einem vor der Wahl geführten Gespräch über Perspektiven sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik äußerte er, daß bei der Berufung des neuen Bundesbankpräsidenten "nur die Qualität eine Rolle" spielen werde und nicht das Parteibuch.

Klaus Dieter Arndt privat Präsident des Deutschen Instituts fü itscjtaffc!chang in. Berlin, steht neuerdings auf defCiste der Kandidaten, die für den Posten des Bundesbankpräsidenten in Frage kommen.

, Zehn Wochen bevor Karl Blessing, der erste Präsident der Bundesbank, am Jahresende sein Büro räumt, steht noch nicht fest, wer als neuer Hausherr in die Frankfurter Taunusanlage einzieht, wo die Notenbank noch ihr Domizil hat. Mit Blessing geht auch Dr. Heinrich Troeger, der Vizepräsident.

Zwölf Jahre lang hat Karl Blessing die Geschicke der Deutschen Bundesbank geleitet. Als Blessing — bis dahin Chef der deutschen Dependance des britisch holländischen Unilever Konzerns — sich Ende 1957 bei einem Abendessen von Hamburger Wirtschaftsjournalisten verabschiedete, versprach er: "Ich werde die Stabilität der D Mark bis zum letzten verteidigen. Darauf können Sie bauen " Tatsächlich ist die Deutsche Mark: unter der Regie Blessings eine der stabilsten Währungen der Welt gewesen. Ihr Verlust an Kaufkraft betrug in diesen zwölf Jahren nur 22 4 Prozent, während vergleichbare Länder wie etwa England und Frankreich Einbußen von 29 8 und 35 5 Prozent hinnehmen mußten.

Der Berufung Blessings in das höchstbezahlte Staatsämt (Jahresgehalt 200 000 Mark) war ein langes und heftiges parlamentarisches Tauziehen um das Bundesbankgesetz vorangegangen, das die provisorische Regelung mit der "Bank deutscher Länder" ablöste. Konrad Adenauer, damals auf dem Höhepunkt seiner Macht, hatte seine eigenen Erfahrungen damit gemacht, was es für einen Regierungschef heißt, in Frankfurt einen unabhängigen Notenbankchef zu haben. Als die westlichen Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg die Währungsreform vorbereiteten, etablierten sie im Mai 1948 die Bank deutscher Länder als neue westdeutsche Notenbank, die damit an die Stelle der alten Reichsbank trat. Ihre Aufgaben: den Umlauf der Zahlungsmittel zu regulieren, die für Ex- und Importe benötigten Devisen bereitzustellen und alle zur Sicherung der Währung nötigen Maßnahmen zu ergreifen; später übernahm sie auch die Verwaltung der Geldeinlagen des Bundes. In; ihren VeropdfiÄgeff- hatten die Alliierten Notenbank unabhängig ist — ein Status, der von der Bundesregierung im Übergangsgesetz von 1951 unverändert übernommen wurde. Als eine Art parlamentarisches Kontrollorgan fungierte der Zentralbankrat, an dessen Spitze als Präsident der Berliner Karl Bernhard trat und dem die Präsidenten der Landeszentralbanken angehörten.

Präsident des Direktoriums der Bank deutscher Länder wurde der Geheime FinanzVat Dv. jur. Dr rer pol h c. Wilhelm Vocke. Erst nach längerem Zureden seiner Freunde hatte er sich entschlossen, die Wahl anzunehmen. Dem Zentralbankrat versicherte Vocke nach seiner Wahl: "Sie wissen, meine Herren, ich bin nur in einem Punkt unduldsam: gegen jede Politik, die Gefährdung der Währungsstabilität bedeutet Von seinen ausländischen Kollegen wurde Vocke nicht beneidet "Vocke, das gelingt Ihnen doch nicht, aus der Deutschen Mark eine Edelwährung zu machen", unkten sie.

V Tatsächlich entwickelte sich um die Stabilität der Deutschen Mark schließlich ein jahrelanger Heckenschützenkrieg zwischen Bonn und Frankfurt. Während Adenauer, bedrängt von seinen Gönnern aus der Wirtschaft, eine Politik des "leichten Geldes" propagierte, um die Konjunktur der fünfziger Jahre nicht zu bremsen, hielt es Vocke nach der Korea Krise mit einer Politik des "knappen Geldes", weil er inflationäre Entwicklungen befürchtete. Mehr Kredit für die Ausweitung der Unternehmen oder weniger Kredit — das war die Frage.