Von Hermann Rockmann

Bei der Parkinsonschen Schüttellähmung, bei aggressiven Epilepsien und Schizophrenien, auch bei Trigenimus-Neuralgien wurde die stereotaktische Hirnoperation mit großem Erfolg angewendet. Diese Methode wurde vor gut 20 Jahren von Professor Spiegel in Philadelphia entwickelt, kam dann nach Deutschland, wo sie vor allem von dem Göttinger Nervenarzt Professor Dr. Fritz Roeder und von Professor Dr. Hans Orthner, Abteilungsvorsteher der neuropathologischen Abteilung der Nervenkliniken der Universität Göttingen, weiterentwickelt wurde. Die Göttinger Ärzte haben die stereotaktische Hirnoperation auch zur Behandlung sexueller Perversionen angewendet. Über Einzelheiten der Methode und über bisherige Erfolge – es wurden fünf pädophile Homosexuelle behandelt – und über die Möglichkeit, mit diesem Verfahren auch Triebtäter zu heilen, sprach ich mit Professor Orthner.

Anlaß zu diesem Gespräch gab ein von der Deutschen neurovegetativen Gesellschaft in Göttingen veranstaltetes Symposion über zentralnervöse Sexual Steuerung, auf dem zum erstenmal über Operationsergebnisse in Fällen von anomaler Sexualität berichtet wurde.

Herr Professor, in welchen Fällen hat man diesen hirnchirurgischen Eingriff angewendet, bevor die Methode zur Behandlung abnormen Sexualverhaltens in Anspruch genommen wurde?

Nur um Bewegungsstörungen, also zum Beispiel Schüttellähmungen zu lindern, aber auch, um abnorme psychische Zustände zu ändern, zum Beispiel bei der sogenannten Leukotomie – bei der Zwangskrankheit –, ein ausgesprochenes Gebiet der Psycho-Chirurgie.

Wie läßt sich die Technik dieser stereotaktischen Methode beschreiben?

Es wird – ausgehend von Zielpunkten, die an sogenannten Modellhirnen ermittelt werden – eine Sonde in das Gehirn eingeführt und dann von der Sonde aus eine Elektrode vorgestreckt. Durch diese Elektrode wird ein hochfrequenter Strom geschickt, der in einem ganz bestimmten, berechenbaren Umkreis um die Elektrode herum das Nervengewebe denaturiert.