Wirtschaft

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DIE ZEIT

Kampf um den freien Kanal

Die Flüsterdebatte um das sogenannte freie, sprich: private, kommerzielle Fernsehen ist wieder laut geworden. Ein Mann, dessen Name allenfalls in seiner Branche bekannt war und der sich selbst einen "hauptberuflichen Anwärter auf ein privates Fernsehen" nennt, der Werbeberater Karl Lesch, beantragte in Bonn eine Lizenz für Versuchssendungen.

Husak im Büßerhemd

Die trügerische "Normalisierung", mit der die sowjetische Führung seit vierzehn Monaten ihr tschechoslowakisches Debakel vertuschen möchte, scheint gelungen zu sein.

Der letzte Spandauer

Schirach und Speer, zwei ehemalige Hauptkriegsverbrecher, leben als freie Bürger unter uns. Sie zehren von ihren Tantiemen. Ihr Kamerad aus zwanzig Kerkerjahren, der greise Rudolf Heß, der viel weniger Macht verwaltet, viel weniger Schuld auf sich geladen hat denn jene, dämmert seit dem Herbst 1966 in der Spandauer Einzelhaft einem ungewissen Ende entgegen, allein in einem Gefängnis für 600 Personen, bewacht von einer ganzen Kompanie.

Aus der Baracke ins Palais

Fünfzig Jahre deutscher Geschichte sind vergangen, seit Sozialdemokraten gleichzeitig an der Spitze des Staates und der Regierung standen.

Von Alpträumen befreit

Zwanzig Minuten vor dem Machtwechsel stieg die Spannung auf den Siedepunkt. Die geheime Abstimmung mit verdeckten Karten in besonderen Wahlzellen war beendet; nun wurde ausgezählt.

Trommelfeuer gegen Nixon

Erst werden aus aufsteigenden Männern, vor allem aus Präsidenten, Supermenschen gemacht, die mit unübertrefflicher Intelligenz ausgestattet, von eisernem Willen beseelt, mit blitzschneller Entschlußkraft versehen und von nimmermüder Schaffenskraft besessen sind.

ZEITSPIEGEL

"Ihr gebt mir nicht die geringste Möglichkeit, meine politische Haltung zu verteidigen, Öffentlich beschuldigt ihr mich, aber ihr sperrt mir den Mund zu, damit ich nicht antworten kann.

Kleine Freiheit für 30 Tage

Eine Scheune hoch über dem Tejo-Tal: Rund dreihundert Menschen drängen sich zwischen den kahlen Wänden. Junge, intelligente Gesichter.

Bürde für die "Gipfel"-Stürmer

Die Gipfelkonferenz der EWG-Regierungschefs Mitte November im Haag wird stürmisch verlaufen; es sei denn, die zentralen Forderungen der Hauptakteure zur künftigen Entwicklung des Gemeinsamen Marktes erweisen sich dort als bloße Papiertiger.

Englands Morgengabe

In der nächsten Woche gibt Willy Brandt seine erste Regierungserklärung ab und Harold Wilson seine womöglich letzte. Solche Willenserklärungen werden in England jährlich formuliert, das erlaubt Flexibilität.

Seelsorger als Staatsgehilfen

Ein ironischer Zufall (oder die Tücke des Objektes?) war im Spiel. In derselben Woche, als die ZEIT und der "Kölner Stadtanzeiger" jene Kriegsdienstverweigerer-Studie an die Sonne brachten, die im Frühjahr gemeinsam von Verteidigungsministerium und Militärseelsorge erarbeitet worden war, schrieb der evangelische Militär-Generaldekan Albrecht von Mutius, Leiter des Kirchenamtes für die Bundeswehr, im "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt": "Es ist nun tatsächlich gelungen, die kirchliche Arbeit in den Streitkräften so unabhängig von politischen und militärischen Einflüssen zu halten, daß ausländische Geistliche oft mit Neid auf unsere Organisationsform blicken.

Das Sterben der Indios

Um die Indios des brasilianischen Urwaldes spinnt sich keine Karl-May-Romantik. Sie sind Studienobjekte der Ethno- und Anthropologen und dem Laien allenfalls bekannt als Schützen Curare-vergifteter Pfeile.

Wolfgang Ebert:: 1000-Dollar-Misere

Meine Dollarkrise begann Ende September, als mir meine Tante aus Kansas City schrieb, sie werde demnächst 1000 Dollar an mich überweisen; ich möge sie gut verwahren, denn der Dollar sei die sicherste Währung der Welt.

Mit der Stange im Nebel

Die neue Bundesregierung wird noch stärker als ihre Vorgängerin von der Sowjetunion gedrängt werden, sich konkret zum Plan für eine europäische Sicherheitskonferenz zu äußern.

Pannen bei "Sojus"?

Raumschiff-Flottillen gab es bislang nur in Fernsehserien und Science-fiction-Romanen. Am 11., 12. und 13. Oktober 1969 aber starteten die Sowjets mit Sojus 6, 7 und 8 erstmals eine Flotte von Weltraumfahrzeugen und schufen damit ein Novum in der kurzen Geschichte der bemannten Astronautik.

Chile: Meuterei im "Musterländle"

Im Gegensatz zu den Aufständen in anderen südamerikanischen Ländern ist die am Dienstag bekanntgewordene Militärrebellion in Chile ein außergewöhnliches Ereignis.

Dokumente der ZEIT

"Wir beginnen heute unsere Arbeit in einem immer noch geteilten Deutschland, in einem geteilten Europa, in einer Welt, die unruhig ist und deshalb damit fertig werden muß, Krisen zu bewältigen und Gegensätze zu überwinden.

Moskau-Prag: Wieder Freunde

Eine "Erklärung von grundlegender politischer Bedeutung" erwartet die tschechoslowakische Führungsspitze als Ergebnis ihres neuntägigen offiziellen Freundschaftsbesuches, zu dem sie sich zur Zeit in der Sowjetunion aufhält.

Israel muß weiter warten

In den letzten Tagen hat sich eine Hoffnung, auf die die israelische Regierung ohnehin nur noch bedingt gesetzt hatte, weiter verringert: die Aussicht auf die Lieferung von 50 Kampfflugzeugen des Typs "Mirage 5".

Neue Pläne für Vietnam?

Wenige Tage nach dem Vietnam-Moratorium ist in den USA über angebliche neue Pläne Präsident Nixons für eine Beilegung des Konfliktes in Südostasien berichtet worden.

Südkorea: Dreimal Park

General Park Chung Hee, seit acht Jahren Staatspräsident von Südkorea, kann sich 1971 zum dritten Mal um die Präsidentschaft bewerben.

China: Um die Grenze

Nach einer Pause von fünf Jahren haben am Wochenanfang wieder sowjetischchinesische Verhandlungen begonnen. Die Delegation der UdSSR in Peking wird vom ersten stellvertretenden Außenminister Wassili Kusnezow geleitet, der von 1953 bis 1955 Botschafter in der chinesischen Hauptstadt war.

Polen fordert die Auslieferung

Zu scharfen Reaktionen Warschaus hat zu Beginn der Woche die Entführung eines Flugzeuges der polnischen Luftverkehrsgesellschaft LOT geführt.

Hessens neue Männer: Der "rote Olaf" war zu rot

Der hessische Ministerpräsident Albert Osswald ist mit der Kabinettsmannschaft, die er jetzt vorgestellt hat, zufrieden: "Es ist ein Kabinett der guten Minister, die gewillt sind, gute Sacharbeit zu leisten.

Rote Zahlen

Ob das ewig so bleibt, weiß man bei Politikern nie", so kommentierte ein ministerieller Sachbearbeiter die Frage, ob sich das Land an den Streikfolgen gegen die Tarifpolitik der hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra beteiligen werde.

Streiken tut not

In dieser Woche gingen die deutschen Seefahrtsschüler wieder an Bord ihrer Ausbildungsstätten, von denen sie im Mai für fünf Monate abgemustert hatten: Die Seefahrtsschulen zwischen Bremen, Elsfleth und Lübeck machten damals ihre Schotten dicht, und die streikenden Kapitänsanwärter mischten sich unter die Landratten.

Bilder und Betrug

Wenn sich im Sommer nächsten Jahres erfüllt, was Bonner Richter Mitte Oktober beschlossen, wird die Bundeshauptstadt einen der peinlichsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte erleben.

Nach langem Hin und Her nun doch:: Bundesforschungsminister Leussink

Wenn es zwei Arten von Ingenieuren gibt, den Reißbrett-Ingenieur und den, der imstande ist, einen Bau zu Ende zu führen, dann gehört der Ingenieur Hans Leussink, Ordinarius für Grundbau, Tunnelbau und Baubetrieb an der Technischen Universität Karlsruhe, zur zweiten Gattung.

Das Ritual von Donaueschingen

Die argentinische Komponistin Hilda Dianda, 44, über ihr Stück "Ludus I", ein Auftragswerk des Südwestfunks, das am Wochenende in Donaueschingen uraufgeführt wurde: ",Ludus I‘, das angeregt wurde durch die Begegnung mit einem Nashorn in einer kleinen deutschen Stadt, ist ein großes Spielbrett, auf das die Ausführenden ihre Figuren setzen: Klänge, Farben, harmonische Komplexe, instrumentale Effekte.

Die Büchner preisen

Seit nunmehr zwei Jahren geben Aktionen linksengagierter Studenten und Schüler dort, wo gesellschaftlichem Geschehen in besonderem Maße Öffentlichkeit zukommt, diesem so recht eigentlich den Anschein des wirklichen Ereignisses.

Die Gesellschaft verändern – aber wie?

Dem einen ist "die Gesellschaft" ein noch immer streng marxistisch in Klassen gegliedertes Gebilde, das sich nicht auf einen Nationalstaat beschränken läßt; dem anderen ist sie eine Vokabel, die in zeitgemäßerer Form das meint, was er früher "Volk" genannt hätte.

Liebe im Kolle-Griff

Die Dame schämt sich offensichtlich. Splitternackt steht sie da und bemüht sich, ihren ebenfalls nackten Partner liebevoll anzusehen.

Bauherren-Preise

Im tausendjährigen Stellungskrieg zwischen Architekten und Bauherren melden Hamburger Architekten einen kleinen taktischen Sieg. Sie vergeben Preise an Bauherren.

ZEITMOSAIK

Der hessische Ministerpräsident hat Mut und Unabhängigkeit von Schablonen bewiesen, als er sich entschloß, Ludwig von Friedeburg als Kultusminister zu berufen.

Standespolitik

In dem Mitteilungsblatt "Münchener Ärztliche Anzeigen", dem offiziellen Publikationsorgan des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes München (ÄKBV), einer Vereinigung, in der jeder approbierte Mediziner Pflichtmitglied ist, war am 26.

Kunstkalender

Die meisten Kölner Galerien haben sich im Programm auf den "Kunstmarkt" eingestellt und segeln im Wind der Progressiven. Die "Baukunst" steuert Gegenkurs.

Die Kunst Geld zu machen

Da steht er, im Western-Spreizschritt und wohlbewaffnet, eine herrlich dümmliche Männerschönheit, "Elvis", von Andy in Lebensgröße auf Silberleinwand serigraphiert.

FILMTIPS

"Das Doppelleben der Sister George", von Robert Aldrich. "Jerry, der Herzpatient", von George Marshall. "Das Fotomodell", von Jacques Demy.

Leiden eines Kinogängers

Manchmal, sehr oft ist das nicht, bin ich tatsächlich ein wenig zufrieden mit mir. Ich klopfe mir manchmal des Abends, während ich der City zustrebe, selber auf die Schulter und denke: Also darin bist du nicht schlecht, nicht wahr? Du bist ein guter, treuer Kinogänger.

Basel: Krach mit Dürrenmatt

Eine Spielzeit lang schien am Basler Theatereitel Harmonie zu herrschen. Werner Düggelin und Friedrich Dürrenmatt hatten sich hier zusammengefunden, um ein theatralisches Konkurrenzunternehmen.

Frankfurt: Reform von unten?

Der Oberspielleiter und der Chefdramaturg des Frankfurter Theaters haben in der vergangenen Woche zum Ende der laufenden Spielzeit gekündigt.

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