In den letzten Tagen hat sich eine Hoffnung, auf die die israelische Regierung ohnehin nur noch bedingt gesetzt hatte, weiter verringert: die Aussicht auf die Lieferung von 50 Kampfflugzeugen des Typs "Mirage 5". Die vorläufig letzte Runde im Ringen um diese für Israel lebenswichtigen Kampfflugzeuge hat jetzt die französische Regierung mit dem Angebot eröffnet, den schon bezahlten Kaufbetrag in Höhe von 65 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Das Angebot war nicht die erste Merkwürdigkeit in diesem vieldiskutierten Waffengeschäft.

Nach guten Erfahrungen mit anderen Modellen des Herstellers hatte Israel im Dezember 1966 50 "Mirage 5" bei den französischen Dassault-Werken in Auftrag gegeben. Während der Vertragsunterzeichnung in Tel Aviv offenbarte ein Beamter des israelischen Verteidigungsministeriums prophetische Gaben. Er riet, in den Kaufvertrag eine Sperrklausel gegen ein Embargo einzufügen. Doch sein Ratschlag wurde verlacht. Er erwies sich ein halbes Jahr später als berechtigt: Nach dem Juni-Krieg von 1967 verhängte Frankreich ein Waffenembargo über den Nahen Osten.

Im Herbst des gleichen Jahres deutete sich für Israel eine Chance an, auf Umwegen zu den dringend benötigten Jets (ein Drittel war bereits bezahlt) zu kommen. Die gewöhnlich gut unterrichtete Amsterdamer Zeitung "Algemeen Handelsblad" meldete, die Flugzeuge würden nach Belgien geliefert und von dort nach Israel weitergeleitet.

Auch die Informationen, die der stellvertretende israelische Außenminister Zwi Tsur von einem Besuch in Paris mit nach Hause brachte, ließen noch einige Erwartungen zu, Man hatte dem Minister versichert, die "Mirages" stünden Israel im Ernstfall zur Verfügung. Die Entscheidung, wann der Ernstfall eingetreten sei, würde allerdings nicht der israelische Ministerpräsident, sondern Staatspräsident de Gaulle fällen.

Nach einem Angriff der Israelis auf eine Militärbasis in Jordanien am 21. März 1968 fällte der General eine Entscheidung. Empört soll er erklärt haben: "Und jetzt haben sie noch die Unverschämtheit, von uns Flugzeuge für solche Unternehmungen zu verlangen." Dennoch bezahlte Israel einen Monat später die letzte Rate für den "Mirage"-Auftrag in Höhe von 20 Millionen Dollar.

Während des französischen Wahlkampfes zu Beginn dieses Jahres stiegen noch einmal die Aussichten der Israelis auf die dringend benötigte Modernisierung und Verstärkung ihrer Luftwaffe (zu dieser Zeit standen 270 Kampfflugzeugen der Israelis 944 Flugzeuge ihrer arabischen Nachbarn gegenüber). Präsidentschaftskandidat Alain Poher kündigte für den Fall seines Sieges eine Aufhebung des Waffenembargos an. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht. Frankreichs neuer Staatspräsident Pompidou betonte schon in seiner ersten Pressekonferenz, die "Mirages" würden vorläufig nicht ausgeliefert.

Inzwischen hatte sich Israel auch nach anderen Lieferanten für modernstes Flugmaterial umgesehen. Erst zu Beginn dieses Monats äußerte Israels Ministerpräsidentin Golda Meir bei einem Besuch im Weißen Haus in Washington den israelischen Wunsch nach Ankauf von 50 Überschallmaschinen des Typs "Phantom". Doch Präsident Nixon gab keine verbindliche Zusage.

Die Aufdeckung eines Spionagefalls in der Schweiz, bei dem aus einem Werk in der Nähe von Winterthur durch einen Agenten Israels Baupläne für "Mirage"-Triebwerke entwendet worden sein sollen, deutet jetzt auf eine mögliche Selbsthilfe Tel Avivs hin. Dennoch hat sich an der Haltung Israels hinsichtlich des Kaufvertrages für die französischen Superflugzeuge nichts geändert. Das Angebot Frankreichs auf Rückzahlung des Kaufbetrages beantwortete ein Sprecher des israelischen Außenministeriums in dieser Woche mit der Bemerkung: "Wir möchten die 50 "Mirages", für die wir bezahlt haben."