Von Willi Bongard

In diesen Tagen ist es genau vierzig Jahre her, seit jenes Ereignis die Welt erschütterte, das als der "Große Krach" in die Geschichte eingegangen ist.

Es war am 24. Oktober 1929, einem Donnerstag übrigens, als in der Wall Street das passierte, was die ältere Generation als den "Schwarzen Freitag" in Erinnerung hat und was man im allgemeinen als den Auftakt der Weltwirtschaftskrise bezeichnet. Von einer Stunde zur anderen stürzten die Aktienkurse an den New Yorker Börsen ins Bodenlose, schmolzen Milliardenvermögen, die offensichtlich nur noch auf dem Papier gestanden hatten, zu Bettelpfennigen zusammen und platzten die Träume von Millionen Spekulanten wie Seifenblasen.

Die weitaus überwiegende Mehrheit der heute Lebenden hat diesen Tag und die darauffolgenden krisenreichen Jahre nicht mehr bewußt miterlebt. Der "Schwarze Freitag" ist insbesondere für die Jugend zu einem bloßen Geschichtsdatum geworden. Daran werden auch die vielen Jubiläumsartikel nichts ändern, die in diesen Tagen geschrieben, aber im Zweifel kaum aufmerksam gelesen werden.

Eben in dieser Tatsache sehen einige derjenigen, die eine Wiederholung des "Großen Krachs" befürchten, die größte Gefahr.

Zu den prominentesten Schwarzsehern zählt der an der Harvard Universität lehrende Nationalökonom John Kenneth Galbraith. Er ist in diesem Lande vor allem durch seine Zugehörigkeit zum "Brain Trust" des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy bekannt geworden, der ihn als Botschafter nach Indien entsandte. Er hat sich nicht zuletzt einen Namen gemacht durch seine Buchveröffentlichungen "Die Gesellschaft im Überfluß", "Die neue Industriegesellschaft" und vor allem auch den "Großen Krach".

Wenn ein Gelehrter vom Format eines Galbraith sich in diesen Tagen der Erinnerung an den "Schwarzen Freitag" wieder einmal zu Wort meldet und die finstere Prophezeiung wagt: "Eines Tages wird eine neue Katastrophe dieser Art kommen", so muß das aufhorchen lassen, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn viele Menschen das große Zittern überkommt.