Die Schätze des Patriarchen – Casals und das

Israel-Festival – Die illuminierte Davidsburg

Von Erich Gottgetreu

Teddy Kollek, der energiegeladene Bürgermeister der Hauptstadt des Heiligen Landes, hatte eine gute Stunde, als es ihm gelang, den armenischen Patriarchen zur ökumenischen und kulturellen Kooperation mit den Israelis zu bewegen. Er überzeugte den geistlichen Würdenträger, daß es dem Frieden von Jerusalem und der Sache der allreligiösen Toleranz nur nützlich und der Würde der christlich-armenischen Kirche gewiß nicht abträglich sei, wenn die von ihr aufbewahrten Schätze einmal öffentlich ausgestellt würden.

Diese Schätze – vor allem brillantenbesetzte, goldene und silberne Kultgeräte, reich geschmückte Zeremonialgewänder und uralte, prächtig illuminierte Handschriften – waren bisher in den Gewölben des St.-James-Klosters der Altstadt von Jerusalem so wohl verwahrt, daß nicht etwa eine einfache Zustimmung des Patriarchen sie dem allgemeinen Anblick zugänglich machen konnte, sondern nur die gemeinsame Aktion von drei Bischöfen, von denen jeder über einen anderen Schlüssel verfügte. Auf diese Weise hatte Jerusalem viele Jahrhunderte hindurch seine eigene "Schlüsselburg", seitdem im Jahre 301 das vordem mächtige Armenien das erste Land war, das das Christentum als Staatsreligion anerkannt hat. Von jener Zeit an kamen armenische Pilger nach der Stadt des Heiligen Grabes und brachten kostbare Geschenke mit.

Täglich besuchen jetzt viele Hunderte den durch den Beamtenstab des Israel-Museums zweckmäßig eingerichteten Pavillon zwischen Kloster und Kirche des armenischen Viertels im Westteil der Altstadt. Jeder findet sich willig mit der landesüblichen Routine ab, mit der man am Eingang von Polizisten (oder Polizistinnen) geprüft wird, ob man nicht etwa eine Bombe oder irgendwelches andere Sabotagematerial bei sich trägt.

Boykott der Konsuln