Die Dame schämt sich offensichtlich. Splitternackt steht sie da und bemüht sich, ihren ebenfalls nackten Partner liebevoll anzusehen. Zwischen ihnen sitzt ein Arzt, spricht über das Unaussprechliche, tippt gelegentlich erläuternd mit einem Stöckchen an beider Geschlechtsteile. Manchmal verirrt sich ihr Blick in die Kamera; dann, wirft sie trotzig den Kopf zurück, und ihr Blick sagt: Ihr könnt mir gar nichts anhaben, ich erfülle hier einen guten Zweck!

Die Szene aus dem Film "Technik der körperlichen Liebe" ist so rührend und unfreiwillig komisch. die Idiotie sexuellen Grundunterrichts im Kino einen Augenblick lang so offensichtlich, daß deutlich wird, was deutsche Aufklärungsfilme sein können: eine Quelle unendlicher Heiterkeit.

Seltsam, daß die Leute im Kino so wenig lachen – auch dann nicht, wenn der aufreibende Stellungskrieg anhebt, wenn das Paar sich mühsam, doch gleichwohl stets freundlich lächelnd in die markierten Koitus-Positionen begibt. Etwas Unerotischeres ist kaum vorstellbar. Werden die Stellungen zu "gewagt", so blendet der Film über zu zwei Gliederpuppen. Sie sind anregender als die Stockschirmakrobatik der nackten Liebesroboter.

Wenn von der Sexwelle im Kino die Rede ist, so sind zwei Arten von Filmen gemeint: die sogenannten Aufklärungsfilme und jene Nuditäten-Ausstellungen, die sich um eine lose Spielhandlung scharen, die Jungfrauen-, Nichten-, Engelchen- und Graf-Porno-Streifen. Von diesen letzteren ist dreierlei zu sagen.

1. Sie werden mit einem Minimum an Zeitaufwand und Kosten zusammengehauen, vorzugsweise in Privatwohnungen und mit Laien. Die größte Cleverneß darin hat der Münchner Porno-Millionär Alois Brummer entwickelt.

2. Ihr Prinzip ist denkbar einfach. Es geht darum, eine Handlung zu finden, die eine möglichst rasche Folge von Entkleidungs- und Bettszenen nahelegt. Da das nicht immer ganz leicht ist, tummeln sich die Nackedeis meist ohne ersichtlichen Grund durch Szenen, deren verquälte Lustigkeit auch dadurch nicht erträglicher wird, daß sie vorgeben, die Sexwelle zu parodieren.

3. Es sind Filme von Männern für Männer; sie haben etwas vom Schenkel-Klatschen plumper Front-Ferkeleien, von geschnarrten Witzen aus dem Offizierskasino (zahlreiche Porno-Film-Macher sind ehemalige Militärs). Im Film selbst präsentieren die Herren allenfalls ihr zusammengekniffenes Hinterteil; Frauen kommen hier nicht auf ihre Kosten, sie müssen sich an das Fingern und Fummeln mit phallus-symbolischen Gegenständen halten.