Wenige Tage nach dem Vietnam-Moratorium ist in den USA über angebliche neue Pläne Präsident Nixons für eine Beilegung des Konfliktes in Südostasien berichtet worden. Die auf Long Island bei New York erscheinende Zeitung "Newsday" meldete in einem Artikel der Kolumnistin Flora Lewis, Nixon habe das Pentagon aufgefordert, den Abzug von 300 000 Soldaten aus Vietnam für das nächste Jahr vorzubereiten. Unter Berufung auf gut informierte Kreise in Washington berichtete das Nachrichtenmagazin "Newsweek", Nixon sei von seinen militärischen Ratgeberr die Empfehlung gegeben worden, sofort eine einseitige Waffenruhe in Vietnam zu proklamieren.

Einzelheiten über die Vietnam-Strategie des Präsidenten werden in der Fernseh- und Rundfunkrede erwartet, die Nixon am 3. November an die amerikanische Bevölkerung halten will. Wie der ehemalige Vizepräsident und Gegenkandidat Nixons, Hubert Humphrey, im Anschluß an ein Gespräch im Weißen Haus erklärte, hat er dem Präsidenten geraten, in der Rede an die Nation seine Ansichten zum Vietnam-Problem darzulegen.

Nixon wird seine Ansprache kurz vor dem zweiten "Moratorium Day" halten, der für Anfang November geplant ist. Vizepräsident Agnew hat sich inzwischen scharf gegen die Vietnam-Demonstrationen ausgesprochen. Er erklärte, die Proteste seien von "hartgesottenen Dissidenten und professionellen Anarchisten" angeheizt worden.