Raumschiff-Flottillen gab es bislang nur in Fernsehserien und Science-fiction-Romanen. Am 11., 12. und 13. Oktober 1969 aber starteten die Sowjets mit Sojus 6, 7 und 8 erstmals eine Flotte von Weltraumfahrzeugen und schufen damit ein Novum in der kurzen Geschichte der bemannten Astronautik. Ob jedoch der Kommandeur der Raumflugstaffel, Kosmonauten-Oberst Wladimir Schatalow, seinen Auftraggebern einen vollen Erfolg melden konnte, nachdem er am vergangenen Sonnabend zusammen mit seinem Kameraden Jelissejew in "Sojus 8" als letzter aus dem All zurückkehrte, bleibt auch heute noch offen – und muß angezweifelt werden.

Mehrere Anzeichen sprechen dafür, daß man im Sinn hatte, eine Weltraumstation zusammenzubauen. Schon die Zahl der gestarteten Raumschiffe und Astronauten ließ einen Kopplungsversuch vermuten. Schließlich erscheint es unvernünftig, sieben Piloten in drei Fahrzeugen ins All zu transportieren, nur um sie dort Experimente ausführen zu lassen, die auch von Mannschaften in einem oder allenfalls zwei Raumschiffen hätten absolviert werden können. Auch bestand die Besatzung von "Sojus 8" aus den beiden ersten "Kopplungsspezialisten" der sowjetischen Raumfahrt. Schatalow und Jelissejew hatten im Januar dieses Jahres mit dem Zusammendocken der Raumschiffe Sojus 4 und Sojus 5 für vier Stunden die erste experimentelle russische Raumstation geschaffen.

In Moskauer Verlautbarungen, die den Start von insgesamt drei Raumschiffen angekündigt hatten, hieß es, daß man Kopplungsmanöver durchführen wolle. Außerdem wurde vom Moskauer Fernsehen ein großer Bericht vom Verbandsflug der drei Raumschiffe angekündigt – aber nicht gesendet. All dies spricht dafür, daß bei dem großangelegten Experiment Pannen aufgetreten sein könnten, die den geplanten Bau einer Raumstation verhindert haben.

Dennoch sind die Russen ihrem Ziel, eine Erdaußenstation zu errichten, ein großes Stück nähergekommen. Zum erstenmal ist ihnen ein dreifacher Countdown für ihre Kosmonauten geglückt. Das erfordert größte Präzision und einen reibungslosen Ablauf aller Startvorbereitungen. Die sowjetische Weltraumbasis Baikonur muß nicht nur elektronisch sehr gut bestückt sein, um den Start und den gleichzeitigen Flug dreier bemannter Raumschiffe zu leiten. Es muß auch eine umfangreiche, ausgefuchste Start- und Kontrollmannschaft zur Verfügung gestanden haben. (Für den Start einer Mondrakete benötigen die Amerikaner, die heute und auf absehbare Zeit nicht in der Lage sind, einen Salvenstart von drei bemannten Raumschiffen durchzuführen, eine Mannschaft von etwa 500 Mann.)

Außerdem haben die Russen gezeigt, daß bei ihnen auch widrige Witterungsumstände – starker Wind und heftiger Regen – keine Startverzögerungen verursachen. Und schließlich ist der erste Schweißversuch im Weltraum, der den Kosmonauten jetzt geglückt ist, insbesondere für den Bau künftiger Raumstationen gewiß von Bedeutung.

Die Russen wollen sich nicht mit jenem zweiten Platz im All begnügen, auf den sie durch die amerikanische Mondlandung einstweilen verwiesen worden sind. So sind weitere spektakuläre Vorstöße zu erwarten. Aus vielen Kommentaren in der sowjetischen Presse wird freilich deutlich, daß man tatsächlich – wie im Westen seit langem angenommen – erst eine bemannte Erdaußenstation im All montieren will, ehe Kosmonauten zum Mond oder zum Mars vorstoßen.

Anatol Johansen