Marketing-Manager Günther Conradi und sein Geschäftsführer Hans Horsthemcke kümmern sich über die in Düsseldorf gegründete "Atomic-Modevertriebs GmbH" neuerdings um Deutschlands "progressive, erfolgsbewußte und dynamische" Männer. Mit einem Stammkapital, das mittlerweile auf 150 000 Mark aufgestockt wurde (Endziel: 1,5 Millionen), und mit einem kapitalstarken Schweizer Finanzier im Rücken (Tailordress AG) wollen sie schon bald die gesamte Bundesrepublik mit einheitlich aufgemachten, auf schwarz-silberne Farbeffekte abgestimmten Läden überziehen.

Die Konzessionen werden nach dem Franchise-Prinzip vergeben. Bedingungen: eine Mindestgröße von 40 Quadratmeter, eine einheitliche Aufmachung, volles Atomic-Sortiment, einheitliches Marketing. Die Läden heißen "Atomic-Centers". Sie können entweder reine Fachgeschäfte sein oder "Läden im Laden", nämlich Atomic-Abteilungen in einem Textil- oder Warenhaus.

Das Atomic-Sortiment ("schick, aber nicht auffallend") umfaßt Herrenanzüge, Schuhe, Hemden, Krawatten und sonstige Herrenbedarfsartikel, darunter, zum Beispiel, ein Atomic-Einheitsduftwasser (vor und nach der Rasur und auch einfach nur zum Duften zu verwenden), Seife, je eine eigene Whisky-, Rum-, Gin-, Cognac-Marke, eine Atomic-Zigarette (Conradi: "Wie die Lord, nur etwas würziger"), ein Fernkursus-Programm des Hamburger "Instituts für Unternehmensführung" und andere Artikel für den "sozialen Aufsteiger".

"Atomic" will einen bestimmten Stil der Lebensführung vermitteln, will den Geschmack der Männer aus weitverbreiteter Unsicherheit herausführen, will nicht nur als kommerzielles Prinzip, sondern auch als Lebenshilfe verstanden werden.

Die Gelsenkirchener Firma Weiser eröffnete kürzlich den ersten Atomic-Laden in ihrem Textilhaus. Letzte Woche kam in Leverkusens neuem Stadtzentrum ein Atomic-Fachgeschäft hinzu. Der Großfilialist Dyckhoff will neun Atomic-Centers eröffnen, davon allein fünf in Hamburg. Insgesamt gibt es Verträge mit 65 Firmen. Es wird damit gerechnet, daß im nächsten Frühjahr bereits 86 Atomic-Centers eröffnet sein werden.

Den Atom-Männern wird auch ein Klub offeriert. Jedes Klubmitglied soll mit einer "Credit-Ready-Card" ausgestattet, jederzeit in Atomic-Centers bargeldlos einkaufen dürfen.

Kostenlos wird Klubmitgliedern und solchen, die es werden könnten, ab November ein Magazin ausgehändigt. Es wird "Atomic" heißen und – wie die Artikel des gesamten Sortiments – den Untertitel "Das Beste für den Mann" führen. Die Einzelhändler müssen pro Stück drei Mark bezahlen.